Alle Einträge des Monats April 2008

Online Brainstorming mit Brainfloor


Endlich mal wieder ein Startup aus Österreich (Kufstein) über das ich hier sehr gerne berichte: Die Ideen- und Brainstorming Plattform Brainfloor der beiden Unternehmer Marcus Berthold und Reini Karner trifft alle meine Lieblinigsthemen: Open Innovation, Crowdsourcing und die effektive Nutzung der Möglichkeiten des Internet.

brainfloor.com nutzt die dezentrale Intelligenz über das Internet. Der Kunde wird zur Produktivkraft und Netzwerke ersetzen Abteilungen. Unternehmen können mit ihren Fragen direkt auf (potenzielle) Kunden und Verbraucher zugehen und wissen so aus erster Hand, wie sie sich verbessern können.

Brainfloor ist Brainstorming - so wie wir es auch schon von brainr, bonspin, fellowforce, brainreactions, openinnovation.ch, InnoCentive und anderen kennen - und dennoch differenziert sich Brainfloor in einigen ganz zentralen Elementen:

Zielgruppe sind vor allem Unternehmen die erkannt haben,

  • dass “dort draußen” ein riesiges Potenzial an Ideen herumschwirrt,
  • dass tausende Köpfe mehr Ideen haben als einige wenige, und
  • dass kein Unternehmen für sich beanspruchen kann, alle Weisen im eigenen Hause zu beschäftigen.

Wie funktioniert Brainfloor?

Als Unternehmen kann ich mit konkreten Problemen an Brainfloor herantreten. Die Innovationsberater von Brainfloor unterstützen ihre Kunden bei der Erarbeitung der richtigen Suchfelder und Fragestellungen fürs anschließende Brainstorming - ein wichtiger Schlüssel um auch jene Antworten zu bekommen die ich mir erhoffe.

Im zweiten Schritt lege ich ein Budget fest, sprich ich entscheide mich wie viel mir die Antworten von Internetusern aus dem gesamten deutschsprachigen Sprachraum Wert sind. Abgerechnet wird nämlich nach der Zahl als brauchbar bewerteter Antworten.

Die eingereichten Antworten werden - etwas Brainstorming unüblich - nicht mit der Öffentlichkeit geteilt, sonder fließen vorerst lediglich den vom Auftraggeber selbst definierten “Ideenmanagern” zur Erst-Bewertung zu - dieser Gruppe können allerdings durchaus wieder Community-Mitglieder von Brainfloor angehören.

Durch diesen Prozess können sich unsere Kunden davor absichern, dass ihnen Mitbewerber die besten Ideen “vor der Nase weg schnappen”, erzählt mir Reinhard Karner in einem Gespräch.

Wie profitieren die Ideengeber?

Ideengebern bietet Brainfloor mehrere Anreize. Für jede eingereichte Idee erhalten sie “BrainChips” die später gegen Sachprämien eingetauscht werden können. Zudem besteht die Chance auf eine Umsatzbeteiligung an Brainfloors Projekteinnahmen, die sich auf bis zu 10% und sich (lt. Auskunft von Gründer Reini Karner) rasch in 4stelliger Höhe bewegen könnten.

Last but not least haben Ideengeber auch die Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen, und vielleicht auch den Auftraggeber vom Potenzial der eigenen Kreativität oder den Fähigkeiten die in Innovationsprozesse eingebracht werden können zu überzeugen.

Non Profit Organisationen brainstormen kostenlos

Ein besonderes Zuckerl haben sich die Gründer für Non Profit Organsationen (NPOs) einfallen lassen - ihnen bietet Brainfloor seine Dienstleistungen kostenlos an.

Noch während ich diesen Beitrag verfasse, veröffentlicht - wie sollte es anders sein - mein Freund Burkhard im Best Practice Business Blog ebenfalls einen Beitrag über Brainfloor, den man hier nachlesen kann.

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Weißt du was ein (Corporate-)Blog ist?

Blogs: Technik alleine ist zu wenig
Wieder mal eine der inzwischen schon vielen Studien und Befragungen über Blogs. Diesmal war die Consulting Agentur Fittkau & Maaß an der Reihe - “Potentiale von Corporate Blogs als Online-Marketingplattform”.

Für Studien-Fans die Ergebnisse in Kurzform:

  • 77 Prozent der deutschsprachigen Internetnutzer sind Blogs ein Begriff.
  • 45% aller Onliner lesen regelmäßig Blogs,
  • 15% sind aktive Weblog Nutzer.
  • Die beliebtesten Arten von Blogs: (1) Online Tagebücher (2) Fotoblogs (3) Corporate Blogs.
  • 30 Prozent finden, dass Unternehmens-Blogs dazu beitragen können, den Dialog mit dem Kunden zu verbessern.
  • Jeder fünfte Besucher von Weblogs findet, dass Corporate Blogs einen Blick hinter die Kulissen der Unternehmen ermöglichen.

Warum eigentlich nur jeder fünfte Besucher? Warum ist ein Corporate Blog nicht genau jene Mischung zwischen oben als so beliebt eingestuftem “Online Tagebuch”, der eignen Foto- / Video- / Multimedia- / Diskussions- / Kommunikations- Plattform?

Schaffen es etwa die wenigsten Corporate Blogs genau jenes Potenzial auszuschöpfen, das eine der größten Chancen darstellt, mit einem Blog den Webauftritt (Homepage) zu ergänzen, und aus der Anonymität unpersönlicher Marketingbotschaften zu entfliehen? Mit einem “Ja” werden nachstehend Befragte diese Frage beantworten.

  • 11% betrachten den Informationsgehalt von Corporate Blogs grundsätzlich als nicht relevant
  • 21 Prozent der Leser von Corp.Blogs finden dass die Bedeutung solcher Blogs überbewetet wird.

Conclusio der Befragung:

Corporate Blogs haben ein enormes kommunikatives Potenzial. Den Studienautoren zufolge ist es daher nahe liegend, dass Unternehmen Corporate Blogs als Marketing- und Kommunikationskanal einsetzen.

Ok, zumindest letzteres sollte längst bekannt sein, und mit den Zahlen es ist es immer so eine Sache. Lieber als Zahlen (einigen o.a. kann ich bei einem Blick in mein geografisches Umfeld ohnehin nicht vertrauen) schaue ich mir erfolgreich (oder miserabel) umgesetzte Beispiele an.

Sinn und Unsinn der Wahrnehmung als “Bloggendes Unternehmen”

Im Grunde genommen ist es absolut irrelevant ob Kunden das Corporate Blog als Blog wahrnehmen oder nicht, oder ob ich es als Unternehmen einfach nur schaffe, mir mittels einer wohl überlegten integrierten Kommunikationsstrategie eine überzeugende Online Reputation zu erarbeiten, und mir über den Aufbau von Vertrauen eine positive Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Mundpropaganda verschaffe.

Sorry, falls ich jetzt wem auf die Zehen steige, aber dazu gehört ohnehin mehr als “nur” ein Blog zu betreiben, noch dazu wenn mir das Tool weder die eingesetzte Zeit wert ist, oder ich nichts von authentischer Kommunikation halte. (Andere Möglichkeiten wie z.B. Integration von Kunden oder Communities in den Wertschöpfungsprozess lassen wir mal außen vor.)

Leider fehlt mir heute die Zeit, um im Detail auf obige Studie oder konkrete Beispiele einzugehen. Nächste Woche bei meinem Vortrag beim Tourismusforum in Innsbruck gibt es aber welche, versprochen! - Vielleicht sehen wir uns…

Gefunden via High Text iBusiness

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Die 100 stärksten Marken der Welt - Nummer 1: Google

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Millward Brown misst jährlich den Marktwert von etwa 50.000 weltweit operierenden Marken. Zu diesem Zweck werden weltweit über 1.000.000 Verbraucher befragt. In Kombination mit den Finanzdaten von Bloomberg und Datamonitor wurde daraus der Wert der 100 weltweit größten Marken bestimmt.

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Laut der heute veröffentlichten BRANDZ(tm) Studie 2008 ist Google wieder die stärkste Marke der Welt. Von MillardBrown errechneter Markenwert 86.1 Milliarden US Dollar. Damit hat Google seinen Markenwert im Vergleich zum Vorjahr um beeindruckende 30% gesteigert.

Auf den Rängen folgen General Electric (71,4 Milliarden US-Dollar), Microsoft (70,9), Coca-Cola (58,2) und China Mobile (57,2). Die Rangplätze 6-10 halten IBM, Apple, McDonald’s, Nokia und Marlboro. Best plazierte deutsche Marke: BMW (Rang 14, 25,7 Mrd.), Österreich ist nicht in den Top100 vertreten.

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„Das diesjährige Ranking zeigt, wie wichtig es ist, in Marken zu investieren - vor allem angesichts ungewisser Märkte. Starke Marken bringen erstklassige Renditen und schützen Unternehmen vor Risiken“, meint Joanna Seddon, Global CEO von Millward Brown Optimor und begründet die Aussage mit der Aktienkursentwicklung der Top100.

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Quelle: www.brandz.com

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Alte (diktatorische) Welt vs. Neue (partizipative) Welt

Do-it-yourself Mode-Schmuck ist nichts Neues. In der Motivation die eigenen Designs zum Leben zu erwecken besteht allerdinge eine große Kluft zwischen Amerika/Großbritannien und Deutschland/Österreich.

Die beiden deutschen Start-Ups Julie & Grace und Pearlfection lösen diesen Engpass, indem sie für ihre Kunden die Produktion übernehmen. Die Hamburger Julie & Grace produzieren in Bali, Pearlfection (München) lässt die Designs in Deutschland verwirklichen.

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Ganz im Stil der “2.0 Kultur” bieten die Unternehmen Hobby Designern die Möglichkeit, ihr Taschengeld ein wenig aufzubessern, oder einfach nur Spaß und Stolz daran zu haben, wenn die selbst entworfenen Designs auch von anderen Menschen gekauft werden. Der/die DesignerIn verdient am Verkauf mit. Die Provisionen werden selbst festgesetzt.

Traditionelle Geschäftsmodelle

Selbst Designs erstellen ist auch beim Schweizer BijouDesigner möglich, allerdings habe ich hier keine Möglichkeit an meiner Kreativität zu partizipieren. Die designten Schmuckstücke können “nur” für den Eigenbedarf bestellt werden. Braver Individualisierungs-Ansatz allerdings ohne echtes Erlebnis, Mundpropaga- oder Wiederbesuchspotenzial. Hier schaue ich nur dann vorbei, wenn ich auch tatsächlich Kaufabsicht habe.

Noch ein Beispiel passt in diese Reihe: Swarovskis “Create your Style Community Ansatz. Hier erkennt man zwar deutlich den Community Trend dem zur Zeit viele Konzerne hinterherlaufen, allerdings lässt der Ansatz die zentralste Frage offen: Was ist der Mehrwert dieser Community?

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Auf der Seite von Swarovski bietet zwar ein Online Designer seine Dienste an, mehr ist aber (noch) nicht erkennbar. Wozu also meine Daten einem Konzern ausliefern, wenn ich mich alternativ auch auf Facebook mit tausenden anderen Glitzer-Steinchen- und Fashion Addicts austauschen kann?

Leider vergessen zu viele “Bauen wir uns auch mal schnell eine Community” Projekte “alter” Unternehmen auf diesen entscheidenden Faktor oder versuchen ihn erst dann zu kommunizieren, nachdem die Projekte in langwierigen Projekten bis zur vermeintlichen Perfektion konzerintern verfeinert und abgetestet worden sind. Im Falle von Swarovski wird es vielleicht funktionieren - die Marke ist megastark und hat weltweit Hundertausende Fans. Bei anderen Unternehmen werden ähnlich konservative Versuche verdammt schief gehen, lediglich eine Menge Geld verschlingen und zu Frust-getriebenen Rundumschlägen (”Blase…”, “Alles nur ein Modetrend.”,…) führen.

Alte Welt vs. Neue (demokratisierte) Welt

Ich mußte gestern auf dem Weg in unsere Manufaktur drei große Umwege fahren, weil sich endlose Konvois in Richtung Meer geschoben haben (der längste aus über 100 Bussen und LKWs (!), auf deren Ladeflächen oben sehr festlich gekleidete Balinesen unterwegs waren). Am Strand wurden den Göttern dann Opfergaben erbracht und es erfolgt die Reinigung der Seele. [...]
[Quelle: J&G Blog]

Eine gesunde Portion Offenheit und Storytelling abseits von Produktkatalogen schaffen Neugier und erzeugten emotionale Bindung. So berichtet J&G Kopf Markus Bosse in seinem Blog regelmäßig über seine Erlebnisse auf Bali, und spricht dabei auch ganz offen über die vielen Herausforderungen beim Auf-/Ausbau der Produktion. Als Fan von J&G kann ich die Entwicklung des Unternehmens hautnah miterleben. Der Leser beschäftigt sich freiwillig und gerne intensiv mit dem Unternehmen, und erzählt u.U. sogar die eine oder andere Geschichte weiter.

Aus den 4 Beispielen kann man vor allem eines ablesen: Den Unterschied im Versuch, lediglich Realwelt-Geschäftsmodelle ins Internet zu kopieren, oder mit Varianten zu kombinieren und zu experimentieren, zu denen das Internet die perfekten Grundlagen bietet. Die beiden letzten Beispiele haben das m.E. noch nicht ganz geschafft.

Sie sind im ersten Schritt des Prozesses Kunden in den Wertschöpfungsprozess zu integrieren und Teil einer Erlebniswelt werden zu lassen hängen geblieben: Der Demokratisierung und des zur Verfügung-Stellens von Produktionsmitteln.

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J&G und Pearlfection gehen über diesen Schritt deutlich hinaus. Nicht nur stellen sie mir ein Produktionsmittel (Design Tool) zur Verfügung, sondern auch ihre Produktionskapazitäten und ihre Vertriebsplattform (Demokratisierung des Vertriebs). Beide unterstützen mich als Verkäufer zudem beim Zugang zu Nischenmärkten (Long Tail) und dabei, mein Angebot in den Weiten des Internet (und Shops - vgl. J&G Geschäftskundenbereich) auffindbar zu machen.

Themenverwandt und demnächst hier im Blog:

Links und Screenshots:

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800% Preiserhöhung. Profit(gier) statt Nachhaltigkeit.

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Hin und wieder ist es einfach Zeit für einen Kopfschüttelbeitrag, vor allem wenn es um ein Beispiel geht, das in einer Zeit in der alles und jeder über Nachhaltigkeit und CO2 Emissionen redet nur Unverständnis auslösen kann.

Die Deutsche Bahn scheint den Grundsatz von Simlicity und geringer Komplexität im Tarifwesen ein wenig missverstanden zu haben.

Ein Zugticket von Jenbach (Tirol) nach Bozen (Südtirol, ca. 150km) kostete bis vor kurzem humane 15 Euro, egal um welche Tages- oder Nachtzeit. Eine Kooperation der ÖBB mit der DB (Deutschen Bahn) führt jetzt dazu, dass die selbe Strecke ab sofort in der Nacht EUR 119 kostet - macht 800% Preiserhöhung.

Ein Sprecher der ÖBB dazu im Radio: “Wir können nichts dafür. Das sind die Preise der Deutschen, die an Passagieren die lediglich Kurzstrecken fahren, kein Interesse zu haben scheinen.” - An nachhaltigem Denken wohl auch nicht. Also doch wieder mit dem Auto?!

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Der Wein den man nicht vergisst

Etikett Wein
Auf Pinwänden wo Kleinanzeigen herumhängen sind Abrisszettel Standard. Dass es aber Weinflaschen (Oxford Landing) gibt die auf so einfache Weise zum leichten Merken des Namens des Tropfens beizutragen erfuhr ich erst durch Bernd Röthlingshöfers Blog (siehe hier).

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Zukunft des Tourismus, Nachhaltigkeit & Verantwortung

Isabella Krassnitzer im Insitut Tourismus Experten
Anlässlich der Eröffnung unseres Instituts der Tourismus Experten hielt Prof. Dr. Kurt Luger von der Universität Salzburg einen Vortrag über Tourismusforschung und Nachhaltigkeit im Tourismus.

Außer dass er erklärt was Tourismus-Forscher eigentlich so tun, enthielt die 7minütige Rede einige (teils provokative) Thesen und Fragestellungen. Ein kurzer Auszug:

  • Der Planet schwitzt und die Betten bleiben kalt.
  • Im österreichischen Tourismus spielt die akademische Forschung noch überhaupt keine Rolle oder wird künstlich klein gehalten.
  • Wenn in China ein Sack Reis umfällt ist und das “Wurscht”. Aber wenn in China die Vogelgrippe ausbricht, ist uns das nicht egal.
  • Wir können die Fragen nicht mehr auf uns, auf unser kleines Hotel, auf unseren kleinen Ort reduzieren! Wir müssen erkennen, dass der Tourismus mittlerweile ein Bereich geworden ist, der sehr viele Sektoren enthält.
  • Was passiert mit den Menschen, die innerhalb von 2 Generationen aus einer bäuerlichen, agrarischen Gesellschaft in eine Dienstleistungsgesellschaft migriert? Auch dazu müssen wir Fragen stellen und Antworten finden.

Spannend war die anschließende Diskussion zur letzten Fragestellung, diese gibt es allerdings leider nicht mehr auf Video :-)


Tourismus Zukunft | Nachhaltigkeit im Tourismus [vergrößern]
Kurzvideo Eröffnung Institut Tourismus Experten
Homepage Tourismus Experten: www.tourismusexperten.at
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Sonntagsgeschichten: Marketing eines Nicht-Marketers

Wandern im Zillertal/Tuxertal
Leser dieses Blog wissen, dass ich Geschichten mag. Besonders solche die das Leben schrieb. Ich lese Geschichten gerne in (guten) Blogs, aber noch lieber lasse ich sie mir bei einem hervorragenden Glas Wein erzählen.

Im Anschluss an meinen Vortrag über Web2.0 im Tourismus bei den Europa Wanderhotels erzählte mir der Hotelier Hermann Grubauer seine Geschichte, die 1976 in Brasilien begann. Dort lebte und arbeitete er 5 Jahre lang in den Regenwäldern des Amazonas mit zwei Indianerstämmen. Die Indios lehrten ihn das, was heute Grundlage für den Erfolg seines Wanderhotels Tuxtertal ist, die er von der 18 Betten Pension zum 4-Sterne Hotel geführt hat.

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„Weißt du“, begann Hermann, „vielen Hoteliers hier geht es heute noch viel zu gut. Sie sind zu satt. Darum haben sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt und wollen sich nicht verändern. Nur der Hunger lässt auch die einfachste Nahrung zum Festmahl werden. Aber je stärker der Magen schon knurrt, umso schwerer ist die Jagd.“

„Ich mache kein Marketing!. Wozu auch? Viel lieber als um tausende Euro Anzeigen in Zeitungen zu kaufen rede ich mit Menschen. So wie du das in deinem Vortrag über dieses Web2.0 erklärt hast. [...] Ja, ich verstehe, dass Menschen sagen das koste viel Zeit. Aber wer sich diese Zeit nimmt wird schnell verstehen, dass sich die Investition lohnt. [...]

Vor einigen Jahren traf ich auf eine Gruppe Deutscher die der Festen Überzeugung waren, das Wandern sei nichts für sie. Kurzentschlossen fuhr ich nach Deutschland und lud sie zum Wandern durchs wunderschöne Saurland ein. Das ganze „Marketing“ (wenn du es so nennen willst) hat mich lächerliche 600 Euro gekostet – inklusive Essen und Getränken. Heute lieben sie das Wandern und kommen jedes Jahr zu mir – mit ihren Familien, Freunden und den Freunden ihrer Freunde. Die 600 Euro haben sich längst bezahlt gemacht.“

Hermann Grubauer ist ein bescheidener und authentischer Mensch – das hat ihn zur Marke gemacht. Grenzüberschreitend. Medien (auch Finanz- und Wirtschaftsmagazine) lieben ihn und zitieren ihn gerne – vor allem deutsche, denn leider trifft auch auf ihn das Sprichwort des Apostels im eigenen Land zu, und so manchem Werber aus der eigenen Heimat sind seine Worte ein Dorn im Ohr.

“Vergiss den Profit. Der kommt von selbst – aber nur wenn du dich wohlfühlst und im Einklang mit deiner Umgebung lebst. Es gibt kein Ich. Die Indios lehrten mich, dass nur das Wir die Wärme schafft, die man zum Leben braucht.”

Auch wenn Hermann sagt er mache kein Marketing – sein Handeln ist Marketing. Marketing in seiner edelsten Form und ohne großes Werbebudget. Marketing das auf Dialog basiert. Anstatt nur über sich selbst zu reden redet Hermann Grubauer mit Menschen. (Mühsames) 1:1 Marketing durch das Beziehungen, Mundpropaganda und Begeisterung entstehen.

“Die Herzlichkeit und Ehrlichkeit mit der man Menschen begegnet, kommt tausendfach zurück.”

Warum dieser Beitrag? Nicht nur weil es auch bei Web2.0 stets um Authentizität, Gespräche, Beziehungen, Mundpropaganda und Glaubwürdigkeit geht. Vor allem deshalb, weil vielen von uns Hermanns Verständnis von Marketing nicht mehr vertraut ist. Zu sehr haben wir uns an die jahrzehntelange Marktschreierei von Werbern und aufdringliches Push Marketing gewöhnt.

Hermann Gruber, Wanderhotel Tuxertal, Zillertal
Ich bedauere sehr dass Hermann (noch) kein eigenes Blog betreibt und seine Erlebnisse, Erfahrungen und Einstellungen so auch mit Menschen teilt, die es nicht eben mal schnell auf einen Kaffee ins weit entfernte Lanersbach (Zillertal, Österreich) schaffen, aber vielleicht soll es so sein dass sie nur dort erzählt werden.

Das Gespräch mit Dir, lieber Nicht-Marketer Hermann Grubauer, hat gut getan. Sehr gut sogar. Vielen Dank dafür!

www.tuxertal.at | www.mittirolerherzblut.com

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Dein Baby am Kinoplakat

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Einfache aber nette Geschäftsidee: 5starbaby.com.

Storytelling auf der Glückwunschkarte zur Geburt. Das Neugeborene als oskar-reifer Kinostar - zumindest auf einem Plakat das an bekannte (oder individuell wählbare) Filme angelehnt ist. Die Eltern werden als Produzenten geführt, der Nachwuchs natürlich als Hauptdarsteller, der Arzt als Regisseur und das Krankenhaus natürlich als Drehort, fürs Catering war die Mutter zuständig und für den Soundtrack Waaaah! Records. Zu sehen gibts den Film “soon… daheim am Wohnort”.

Gefällt mir beinahe so gut wie die Idee des Geburtstagskalenders (siehe hier oder hier), einzig und allein die technische Umsetzung hätte mit Vorschaubildern für Standardvorlagen etwas interaktiver gestaltet werden können.

www.5starbaby.com

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Video fürs Wochenende: Warum tun wir nichts dagegen?

Ich mag Videos die uns eben mal den Spiegel vorhalten - auch wenns manchmal grausam ist. Eine deutsche Übersetzung gibt es hier.

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TheNerveTV: Crowdsourcing und Fernsehen

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Ideen für neue TV Shows werden im stillen Kämmerchen geboren und für teures Geld an TV Produktionsfirmen verkauft. Heraus kommt häufig was niemand sehen will (und doch jeder sieht) - das war einmal: Crowdsourcing macht auch vor dem Fernsehen nicht halt.

Mark Bowness (Erfinder von Tribewanted, Idee siehe hier) sucht weltweit nach den besten Ideen für neue TV Shows. TheNerve (thenerve.tv) nennt sich das Projekt bei dem Mitglieder selbst entscheiden was produziert wird und ins Fernsehen kommt.

Weltweit jagen Mark und sein Team nach kreativen Menschen die DIE Idee zur nächsten großen TV Show haben. Aus tausenden Ideen wählt die Community die besten (?) 10 aus, für die anschließend 3minütige Kurztrailer gedreht werden. TheNerve verhandelt in weiterer Folge mit TV Anstalten in Großbritannien und Amerika und versucht zumindest eine selbst produzierte Show ins Programm zu bringen. 50% der Einnahmen gehen an den Ideengeber.

This crowd sourcing approach to creating TV programmes is completely new to the media world and a race has started to see which media industry will be the first to commission a programme from the public. (TheNerve)

TheNerve.TV produziert auch eigene Shows - für TV und Internet. Community Mitglieder zahlen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von umgerechnet ca. €75. Im Gegenzug finden nicht nur ihre Ideen Gehör, sie erhalten kostenlose online Trainings von Profis, Zugriff auf sämtliche Kontaktdatenbanken in die Medien- und Produzentenszene und gestalten das Programm von TheNerve.TV mit - egal ob als Entscheidugnsträger, Produzent, Schauspieler, Künstler, Designer, Moderator, Drehbuchautor o.ä.

Interessantes Experiment das aber noch in den Kinderschuhen steckt und (so zumindest mein Gefühl bei der Betrachtung der Internetseite) noch ein wenig Finetuning benötigt. Aber auch das bekommt Mark bestimmt noch hin, wetten?! Good luck!

Bei Carl Lens (Crowdsourcing Directory) gibt es ein Videointerview mit Mark Bowness.
Bild: TheNerve.TV

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Gästebuch oder Blog?

Im Anschluss an einen Vortrag im Rahmen der Jahresklausur der Europa Wanderhotels führte ich eine längere Diskussion mit Hoteliers über die Unterschiede zwischen Gästebüchern und Blogs. Hier eine Zusammenfassung für jene die an der Diskussion nicht teilnehmen konnten.

Gedanken zu Gästebüchern

Blogs sind Stammtische

Gästebücher sind auf Hotelseiten ja nahezu Standard. Ebenso Standard sind aber auch die oft recht spärlichen, unsortierten und später kaum noch auffindbaren Einträge von Gästen. Fakt ist auch, dass sich nur die wenigsten Betreiber von Gästebüchern mit eigenen Einträgen beteiligen und schon gar nicht kommt ein Dialog mit Gästen auf. Auch haben Gäste kaum Anreize das Gästebuch später wiederzubesuchen - Kundenbindungseffekt Null.

Gästebücher stammen aus den Urzeiten des Internet und ich muss mir die Frage stellen, ob Besucher meines Webauftritts den zensierten Gästebuch-Einträgen tatsächlich noch Glauben schenken - immerhin leben wir in einer Zeit in der jeder von uns schon einmal Einträge in Bewertungsplattformen besucht hat. (Vgl. Hotelsterne waren gestern.)

Mehrwert(?) von Blogs

Offensichtlichster Unterschied zwischen Blog und Gästebuch: Im Gästebuch geben Gäste das Thema vor, bei einem Blog wechselt der Blogbetreiber von der passiven in eine aktive Rolle und gibt mit seinen Einträgen den Startschuss für die Richtung der Kommentare seiner Leser.

Ich als Autor bestimme das Diskussionsthema - häppchenweise und in regelmäßigen zeitlichen Abständen (nicht im Überfluss wie auf der Homepage, auf der sich kaum jemand die Zeit nimmt all meine Inhalte zu lesen).

Blog der Dolce Vita Hotels, Südtirol
Beispiel Beiträge DolceVita Hotelblog

Meine Gäste, Leser, Freunde fordere ich dazu auf ihre Meinungen abzugeben. In weiterer Folge kann ein Blog durchaus wieder eine Art Gästebuchcharakter entwickeln, allerdings mit echtem Dialogeffekt. Wichtig aber gleichzeitig zu erwähnen dass nur ganz wenige Blogs es schaffen, Einträgen lange Diskussionen folgen zu lassen (heißt aber keinesfalls dass die Leser an den Inhalten nicht interessiert sind!).

Blogleser entscheiden selbst ob das Lesen eines Blogs persönliche Relevanz hat oder nicht. Für Erfolg oder Misserfolg bin ich selbst verantwortlich. Bin ich als Touristiker nicht in der Lage Geschichten zu erzählen die meinen Gästen einen Mehrwert bieten, die sie gerne lesen oder sie gar begeistern, spare ich mir die (niedrigen) Kosten für die Einrichtung eines Blogs, und döse weiter als Gästebuch Wächter auf meiner Couch.

Praxisbeispiel einer anderen Branche: Steirerbluat

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Ob jemand das klassische Gästebuch durch ein Blog ergänzen oder ganz ersetzen will oder nicht ist auch Geschmackssache. Schauen wir ein wenig über den Tellerrand und lernen aus anderen Branchen.

Bei der Konzeption der Internetstrategie der österreichischen “Alpenpop-Band” Steirerbluat haben wir diesen Schritt bewusst getan, und das Gästebuch durch ein Tourtagebuch (Blog) ersetzt. Warum?

  • Weil Fans und Konzertbesucher so direkt jene Events kommentieren die sie gerade besucht haben, und
  • das Blog mehr Ordnung in die einstigen Gästebucheinträge bringt.
  • Zudem erleichtert es den Mitgliedern der Band einen strukturierteren Dialog mit Fans,
  • bietet zahlreiche Möglichkeiten zu Interaktivität und Bindung (vgl. Voting Ötzi vs. Steirerbluat)
  • ermöglicht die Einbindung von Videos und Tourfotos die im eigenen YouTube bzw. Flickr Channel abgelegt sind.

Fanfotos SteirerbluatInteressant auch der Kulturwandel der sich in der Denke der Künstler vollzogen hat.

Früher waren Fotoapparate auf Konzerten ungern gesehen. Mittlerweile fordert Christian Hütter, Boss von Steirerbluat, die Fans per Blog sogar dazu auf Fotos von Konzerten ins Netz zu stellen, an Freunde weiterzuschicken, mit dem Namen der Band zu “taggen” und integriert die Fanfotos per Plugin direkt ins Blog.

Eine Öffnung und ein Feature an das sich selbst Fans erst noch gewöhnen müssen :-) [Vgl.: Fans gestalten Webauftritt mit]

Wie sieht es mit Kritik aus? War früher auf Konzerten die Stimme des Sängers einmal nicht so verträumt oder rockig wie gewohnt, häuften sich im Gästebuch Fragen dazu auf. Heute kündigen die Bandmitglieder das sogar im Vorfeld selbst an, weisen darauf hin dass trotz Grippewelle das Konzert stattfinden soll, ernten dafür von den Fans Genesungswünsche und anstatt Kritik aufgrund enttäuschter Erwartungshaltungen freuen sich die Fans dass die Veranstaltung trotz erschwerter Bedingungen überhaupt stattgefunden hat. Äußert sich tatsächlich mal ein Fan kritisch, so sind es andere Fans die zur Kritik Stellung nehmen - eine wesentlich glaubhaftere Vorgangsweise als Dementi aus der PR-Abteilung.

Suchmaschinen

Um den Kreis wieder in Richtung Hotel zu schließen: Hoteliers werden verständlicherweise immer sehr hellhörig wenn es um Suchmaschinen geht. Auch hier gibts große Unterschiede zwischen Blog und Gästebuch. Raten Sie selbst was sich wohl besser dafür eignet um seine Visibility bei Google zu erhöhen.

Vor einigen Wochen präsentierte DJ Ötzi seinen neuen Hit “I will leb’n” im deutschen Fernsehen - der Hit ist eine Cover Version von Steirerbluat. Zeitgleich mit dem TV Auftritt veröffentlicht Steirerbluat einen Blogeintrag in dem Fans von der Cover Version erfahren haben. Angenehmer Nebeneffekt: Bereits 70 Minuten stieß jeder der bei Google nach dem neuen Hit von DJ Ötzi suchte auf das Original von Steirerbluat - wochenlang sogar noch vor den wesentlich kapitalintensiveren PR-Kampagnen von DJ Ötzi. Ein Effekt der weder (oder nur kostenintensiv) mit einer klassischen Homepage und schon gar nicht mit einem Gästebuch erzielbar ist.

Gästebuch oder Blog?

Warum stellen wir die Frage überhaupt? Warum gibt es für manche Menschen immer nur “entweder oder”? Warum nicht “sowohl als auch”? Das Gästebuch ist das Stammbuch wie es jeder in Form von Freunde-Alben aus der Kindheit kennt. Blogs sind nicht nur Internettagebücher.

Blogs können - um in der Sprache von Touristikern und Gastronomen zu reden - Stammtische sein um die sich Freunde unabhängig von Zeit und Aufenthaltsort versammeln, sich Geschichten erzählen und Gespräche führen. Warum also entweder oder? Die beste Lösung besteht darin Synergien zwischen beiden zu nutzen. Ein Praxisbeispiel dazu folgt…

Linktipp:
Wen auch technische Unterschiede zwischen Foren, Blogs oder Chats interessieren, liest Erläuterungen dazu bitte in diesem Beitrag bei Robert Basic nach.

PS: Christian, ich gratuliere Euch zum erstmaligen Aufstieg in die Top 20 der österreichischen Charts! (Hoff ich hab damit nicht zuviel verraten :-)

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Video fürs Wochenende: 1min kreatives Chaos

Zurücklehnen und Schmunzeln!
(Inoue Takehiko - “Draw your style” Spot SHISEIDO UNO)

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