Hype Web2.0 und schiefe Bananenkuchen
“Halten Sie Web 2.0 für einen Hype?”
Joachim Feher, Chef der MediaCom Vienna dazu:
Ja, das ist ein Hype, der meines Erachtens auch von den Journalisten schon wieder fallengelassen wird. Hier ist zwar ein Medium entstanden, das es ermöglicht, Communities weltweit zu vernetzen. Aber andererseits gibt es immer die Sehnsucht der Menschen nach professionell gemachtem Content. Das wurde in der letzten Zeit ein wenig zurückgedrängt und das Spieleische geriet in den Vordergrund.
Aber das wird den Menschen auch zunehmend langweilig. Wenn Sie heute in MySpace das Stichwort “Katze” eingeben, finden Sie über 14.000 Katzenvideos. Wen interessiert das eigentlich? User generated Content wird professionell gemachten Content nicht verdrängen. Wenn ich als Werbetreibender mutig bin, kann ich von Web 2.0 profitieren, mir muss aber bewusst sein: Wenn ich in einem Forum, das die User steuern, etwas mache, bin ich nicht mehr Herr über die Dinge, die dann passieren. (…) Quelle: a3Boom
Danke, Dani fürs Ausgraben dieses Klassikers. Was verleitet den Chef eines anerkannten Unternehmens zu solchen Aussagen? Passiert es wenn man soziokulturelle Veränderungen negiert? Oder wenn diese an einem vorbeiziehen, weil eben nirgendwo ein Schild rumsteht “Achtung, jetzt beginnt die Zukunft.”
Mich verwundern viele Textpassagen des Interviews (vor allem auch deshalb, weil ich immer wieder selber überrascht bin, wie intensiv sich viele - auch österreichische - Unternehmen sich mit dem Thema User generated content beschäftigen wollen - nicht nur müssen - wenn erst einmal die anfänglichen, zum Teil künstlich geschürten (?) Ängste, diskutiert wurden), dennoch würde eine ausführliche Diskussion an dieser Stelle zu weit führen (und ich muss auch noch was für Vorträge und Diskussionen reservieren :-).
“Aber andererseits gibt es immer die Sehnsucht der Menschen nach professionell gemachtem Content. Das wurde in der letzten Zeit ein wenig zurückgedrängt und das Spieleische geriet in den Vordergrund. ” - Sagt wer? Warum boomt DIY seit Jahren? Warum verdienen viele Menschen sogar schon seit Jahrzehnten Geld mit “hausgemachten” Produkten? Ich mag schiefe Bananenkuchen! Eben weil diese nicht von der Stange kommen. Wo liegt überhaupt die Grenze zwischen professionell erstelltem Content und solchem, den “Amateure” erarbeiten, und vielleicht sogar noch über Internet verkaufen.
Finden (z.B. bei Innocentive) nicht seit Jahren “Amateure” und “Hobby-Wissenschafter” Lösungen für Probleme, die Großkonzerne wie Dow Chemical, Dupont and Proctor & Gamble selbst alleine nicht zu lösen im Stande gewesen wären? Was wäre die Astronomie ohne Crowdsourcing? Die Beispiele lassen sich endlos fortsetzen, aber darum geht es in diesem Beitrag nicht.
ich seh´ den Weg nicht mehr
Ich will weg, ich will raus
ich will – Wünsch mir was
und ein kleiner Junge nimmt mich an die Hand
Komm´ hier weg, komm´ hier raus
Komm´ ich zeig Dir was
Das Du verlernt hast, vor lauter Verstand
PUR, Abenteuerland
Egal ob hochgeschaukelter Hype, Blase, Revolution oder was auch immer - das Internet ist und bleibt immer nur das Werkzeug, Herr Feher! Die Entwicklungen finden in unserer realen Welt, in der Menschen mit dem Web2.0 lediglich Tool in die Hand gelegt bekommen haben, mit denen sie sich ihre Wünsche erfüllen, ihren Frust über die Machtlosigkeit gegenüber ignoranten Unternehmen von der Seele schreiben, oder sich einfach nur entfalten können - und das soll angeblich neben Geld verdienen dem einen oder anderen sogar Spaß machen.
Ich erfinde, verwandle mit Zauberkraft
Die Armee der Zeigefinger brüllt: Du spinnst!!!
Ich streck´ den Finger aus
ich verhexe, verbanne, ich hab die Macht
Solange der Kleine da im Spiegel noch grinst
PUR, Abenteuerland
Bei VOdA haben wir vor wenigen Wochen kreative Menschen eingeladen, CD Covers für ein kleines Label zu kreieren. Zwei Lernerfahrungen daraus:
- Ja, es haben sich Amateure beteiligt und zum Teil großartige Arbeiten abgegeben.
- Einige der Amateure sind Profis, die mit Grafik Geld verdienen - als Freelancer und sogar als Agenturchefs.
Die Antwort auf die Frage, warum sie sich dennoch an Projekten beteiligen, bei denen sie im schlimmsten Fall nur “Arbeit” hatten und leer ausgehen?
- Weil es Spaß macht einmal was anderes zu tun.
- Weil wir uns entfalten können.
- Weil wir zeigen können was wir wirklich können - manchmal aber nicht dürfen!
Du kannst flippen, flitzen, fliegen und das größte Pferd kriegen
Du kannst tanzen, taumeln, träumen und die Schule versäumen
Alles das ist möglich in Dir drin in Deinem Land
trau Dich nur zu spinnen, es liegt in Deiner Hand
PUR, Abenteuerland
Alles gesagt. Naja fast, denn eins kann ich mir nicht verkneifen: Warum reden wir immer von Profis gegen Amateure? Gehts nicht auch (weiterhin) gemeinsam? Denn etwas wirklich Neues ist es nicht, dass Amateure eingebunden werden - nicht einmal “bei Euch” Medien.

Die großartigen Ergebnisse des Projekts gibt es nächste Woche auf dieser Seite zu sehen.
Fotos: Thanks for sharing the original pictures to Lynette and Thokrates.
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CrowdSourcing innovation kritik Marketing tourismus & gastronomie user generated content
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4 Kommentare zu “Hype Web2.0 und schiefe Bananenkuchen”
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1. September 2007 um 09:44 |
Auf den Punkt gebracht, danke!
Wer Web2.0 als Hype bezeichnet, darauf hinweist, dass es das eh schon immer gab oder sonstige Erklärungen abgibt, warum das alles nicht relevant ist, macht das doch nur, um sich selbst einzureden, dass man sich mit dem Thema nicht beschäftigen muss. Muss man auch nicht, aber man darf sich halt nicht wundern, wenn beispielsweise andere Unternehmen einen dann überholen.
Sehr interessant finde ich das Thema Profi-Amateur. Wenn mir z.B. ein Bild gefällt und ich es kaufen möchte, ist es für mich nicht relevant, ob das ein Profi oder ein Amateur ist (es wäre noch zu diskutieren, wo da die Grenze liegt). Ausschlaggebend ist das Ergebnis, insofern wird auch diese Unterscheidung wahrscheinlich häufig als Selbstschutz verwendet.
Wobei ich nachvollziehen kann, dass man als “Profi” vor “Amateuren” Angst hat, denn sie können eine “Marktordnung” durcheinander bringen. Und nicht jeder kann damit umgehen.
1. September 2007 um 11:38 |
Ein Amateur ist eine Person, die - im gegensatz zum Profi - eine Tätigkeit aus Liebhaberei ausübt.
Welch schöne Aussage! Und nicht nur du, oder ich lieben schiefe Torten sondern noch einige mehr. Warum das so ist?
Ich denke das Ergebnis zählt. Ein Ergebnis dem man ansieht das Freude, Energie, Herzblut und die pure Lust am Tun dahinter steckt. Man ganz einfach erkennt dass noch nicht alles “ganz Rund” ist und läuft…und genau dies den Scharm ausmacht! Gerade im Podcast bereich in dem ich mich ja bewege merkt man den Drang nach nicht Professionellen Podcasts somit haben die Amateure ihre Berechtigung. Viel mehr noch SIE sind das Salz in der Suppe! Einfach die Würze in der Sache, und schon einige haben diesen Kreativen Freiraum genützt um sich einer breiteren Masse mit zu teilen und sich weiter zu entwickeln.
Das Web 2.0 ist eine Spielwiese? In gewisser weise ja, dennoch bietet sie viel mehr als das.Es ist eine Plattform die einem geboten wird um sich zu entwickeln, eine Plattform die den Spieltrieb fördert aus dem sich noch einiges mehr entwickeln kann.
…..Du kannst flippen, flitzen, fliegen und das größte Pferd kriegen….
In diesem Sinne Taka
4. September 2007 um 14:46 |
Wie mir dieses Proif-Gelabber auf den Nerv geht!
Nur ein Beispiel: Ich habe das Glück, ein paar junge FreundInnen zu haben, die MySpace sehr viel nutzen. Diese Amateure. Mit einem hab ich kürzlich über MySpace Messages geschrieben. Irgendwann hab ich gemeint: Wir können doch auf E-Mail wechseln. Seine Antwort: Nein, MySpace ist duch eh sehr fein und außerdem schaut er da viel mehr rein als ins Mail.
Worauf ich raus will: Am Beispiel MySpace sehe ich, dass es viele UserInnen gibt, die diesen Kommunikationskanal sehr viel nutzen: Sie sind darin viel professioneller als ich oder andere, die das eben nicht tun. Punkt. Ob sie nun dafür Katzen-Videos verwenden oder nicht ;)
13. September 2007 um 21:06 |
Amatuer-Profi, Blödmann-Schlaukopf, Visionär oder Lagerist… völlig irrelevant! Das Web hat ja nicht erst eine Grenze aufgehoben, Zeit zu realisieren, dass die meissten eh nur im Kopf vorhanden sind.
Nicht “wer”, sondern “was” ist doch die Frage.
Nicht “Professionalität”, sondern “Qualität” ist das Zauberwort. Leider ein sehr flutschiger Begriff (da fällt mit Robert Pirsig’s “Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten” ein: da gehts nur um die Frage, was das eigentlich ist…).
Klar: Professinalität mit Qualität gleichzusetzten erleichtert das Geldverdienen natürlich ungemein, es ist also niemandemzu verübeln, dieses Prädikat für sich in Anspruch zu nehmen.