Crowdsourcing für Viral-Videos: Die Filmbäckerei

Werbung am FließbandMoviebakery ist ein neues Filmportal, das virale Werbeclips am Fließband produziert und seinen Kunden 10 (Amateur-)Clips zum Preis eines professionellen anbietet.

Wie das funktioniert: Ein Unternehmen bestellt auf der Website von Moviebakery seine Clips und überweist EUR 5.000. Jeder registrierte User reicht seine Ideen ein, und die Redaktion vergibt Produktionsaufträge für die zehn besten. Wird die Qualität der Videos als in Ordnung befunden, erhält der Produzent EUR 500 als Aufwandsentschädigung für dutzende Arbeitsstunden. Sind alle 10 Filme fertig, sind weitere EUR 5.000 fällig (macht gesamt EUR 10.000 per Vorauskassa), erst dann erhält der Kunde seine 10 Clips, die im letzten Schritt über unterschiedliche Videoplattformen verbreitet werden.

Martin Oetting hat auf Connected Marketing [siehe hier] seine Sicht der Dinge hervorragend zusammengefasst, und diskutiert v.a. Amateurhaftigkeit, sowie die Erfolgschancen von Viralclips in einer Zeit, in der täglich 60.000 Videos ihren Weg zu YouTube finden, und vor allem die mangelnde Einbindung von Unternehmen in die Konzeptphase. Am besten die ausführliche Diskussion selbst bei Martin nachlesen [siehe hier]. Den angerissenen Punkten stimme ich uneingeschränkt zu, v.a. was die Abstimmung mit dem Kunden betrifft:

Eine Kampagne in deren Vorfeld darauf verzichtet wird, Chancen und Risiken zu evaluieren, und bei der kaum Rücksicht auf bestehende Markenführungsstrategien genommen wird, ist wie ein Spiel mit dem Feuer. Weiters verzichtet der Kunde auf viele Chancen viraler Effekte im Vorfeld und im Zuge der Kampagne. Und genau das ist der Unterschied zu anderen Kampagnen [siehe Beispiele hier], bei denen die Clips von Anfang an Starthilfe erhalten, und als Nebeneffekt zudem eine Community aufgebaut und emotional an die Marke gebunden wird.

So wie Zooppa oder Spotzer [siehe Berichte hier bzw. hier] eignet sich Moviebakery v.a. für Unternehmen denen echte Crowdsourcing Kampagnen zu riskant sind, die aber dennoch mit einer nicht von der Hand zu weisenden Halbherzigkeit auf den Trend “User generated advertising” aufspringen, und sich einige Euro Produktionskosten sparen wollen - ist ja auch etwas, aber ob mir das das Risiko wert ist, dass die 10 Auserwählten für EUR 10.000 gänzlich an dem vorbei arbeiten was zu meiner Marke passt?

Foto: Flickr, thanks for sharing!

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1 Kommentar zu “Crowdsourcing für Viral-Videos: Die Filmbäckerei”

  1. Comment von Felix Holzapfel

    Hallo Hannes,
    ich bin gerade über den Trackback bei connectedmarketing auf Deinen Beitrag hier aufmerksam geworden. Ich habe auch da ja schon einen recht umfangreichen Kommentar zu Martins Sicht der Dinge geschrieben. Zu Deinem Beitrag möchte ich eigentlich nur drei Dinge zu bedenken geben:

    1. Amateurhaftigkeit
    Da habe ich bei Martin ja auch schon etwas zu gesagt. Hier eine Kurzfassung mit eins zwei weiteren Facetten: Unser Konzept setzt darauf die Kreativität der breiten Masse mit unserem langjährgen Know How im Bereich unkonventionelles Marketing zu kombinieren. Die teilweise natürlich vorhandene Amateurhaftigkeit soll dabei möglichst professionelle Züge annehmen. Wobei sich bisher bei weitem nicht nur Amateure bei uns beworben haben, sondern teilweise auch professionelle Filmer, Comedians oder sogar ein Nutzer, der für die Youtube Oscars nominiert war. So dass wir offen gesagt inzwischen schon fast selber von der Qualität der Filmer überrascht sind, die Bock haben bei uns mitzumachen. Wobei die Zukunft erst noch zeigen wird, ob diese Nutzer auch wirklich die „besten Ideen“ entwickeln oder ob die von eher unbekannten und weniger professionellen Nutzern kommen, die aber im Rahmen der Registrierung bzw. durch die Angabe einiger Referenzen bewiesen haben, dass sie wissen, wie man eine Kamera bedient. Denn ansonsten werden sie nicht in unseren Pool aufgenommen. Bisher sieht es ehrlich gesagt danach aus, dass sich dies ziemlich die Waage hält und die viel versprechendsten Ideen aus den unterschiedlichsten Ecken kommen. Aber dazu werden wir dann auch erst in einiger Zeit fundiert Auskunft geben können, wenn wir mehr entsprechende Erfahrungswerte gesammelt haben.
    Zu guter letzt sei auch noch gesagt, dass auch Amateure heute mit dem richtigen Equipment sehr gute Qualität erstellen können. Dies ist keineswegs länger den Vollprofis vorenthalten. Unsere detaillierte Sicht der Dinge zu dem Thema gibt´s wie gesagt bei connectedmarketing.de.

    2. Verzicht auf Markenführungsstrategie
    Genau hier besteht einer der Hauptunterschiede unseres Konzepts zu Anbietern wie Zooppa.com oder Spotzer. Denn im Rahmen der Briefingphase und hierbei stattfindenden Abstimmung mit dem Kunden werden die bei uns zu entwickelnden Ideen und Filme eben soweit gewünscht sehr wohl in Einklang mit der Markenführungsstrategie gebracht. Erst dann wird das Briefing an die Filmer weitergeleitet. Auch während die Filmer Ideen bei uns einreichen geben wir Ihnen dazu Rückmeldungen (eben genau anders als z.B. bei einem Wettbewerb, wo die Filmer im „stillen Kämmerlein“ produzieren). Dies hilft nicht nur die Ideen weiter feinzuschleifen, sondern eben auch die Werte einer Marke entsprechend widerzuspiegeln. Denn es geht bei moviebakery bei weitem nicht nur darum Virale Spots günstiger produzieren zu können, sondern vor allem auf einen wesentlich breiteren Pool an Kreativität in Form von „guten und zu meiner Marke passenden Ideen“ zugreifen zu können. Dabei sorgt bei uns eine mehrstufige Qualitätssicherung dafür, dass das Risiko auf Seiten der Kunden minimiert wird und die Spots eben sehr wohl zu den Werten einer Marke passen.

    3. Verzicht auf virale Effekte im Vorfeld und im Zuge der Kampagne
    Auch dies haben wir bei unserem Konzept natürlich beachtet. Hier wird je nach Wunsch des Kunden und auf Basis unseres Inputs eine recht breite Klaviatur im Bereich Seeding gespielt. Sei es, dass wir die Filme verteilen, ein Kunde seine Möglichkeiten nutzt (Einbindung auf der Website, in einen Newsletter, etc.) und letztendlich natürlich auch die Filmer selbst zur Bekanntmachung der Filme beitragen. Sprich hier zieht nicht wie gewöhnlich nur eine Partei (nämlich das Unternehmen oder der Filmer) oder zwei (Unternehmen und Agentur), sondern eben bis zu drei Parteien am gleichen Strang (Unternehmen, Filmer und moviebakery). Wir denken, dass dies eigentlich eine sehr gute Ausgangssituation zur Verteilung eines Films ist. Und natürlich gibt es abhängig von den genauen Rahmenbedingungen darüber hinaus auch noch alle möglichen anderen Szenarien.

    Zu guter letzt… Keine Sorge! Wir werden jetzt nicht anfangen jeden ansatzweise kritischen Beitrag zu moviebakery endlos zu kommentieren;-) Aber a) lese ich Deinen Blog hier des Öfteren, so dass mir einfach daran gelegen war, Dir eine kleine Rückmeldung zu Deinem Beitrag zu geben bzw. Dir kurz unsere Sicht der Dinge darzulegen. B) Sind wir speziell in der Anfangsphase in der wir uns gerade befinden besonders dankbar für jede Form von konstruktiver Kritik, da uns diese natürlich hilft unser Modell, die Außendarstellung, usw. zu optimieren. Also wollte ich einfach kurz Danke für Deinen Beitrag sagen! C) Ist uns aktuell kurz nach dem Launch unserer moviebakery natürlich daran gelegen Unklarheiten möglichst schnell zu beseitigen. Und ich hoffe einfach mal, dass ich mit meinem Kommentar hier wenigstens ein klitzekleines bisschen dazu beigetragen habe;-)

    In dem Sinne beste Grüße aus Köln
    Felix Holzapfel

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