Was Crowdsourcing nicht ist

crowdsourcing1.jpgVielen Dank für die vielen Feedbacks auf meinen Beitrag ‘Was ist Crowdsourcing’ von letzter Woche.

Das steigende Interesse am Erkennen der kreativen Potenziale der ‘Masse’ (Schwarmintelligenz) hat mittlerweile auch den Computerhersteller Dell erfasst.

Kaum hat Firmengründer Michael Dell das operative Zepter wieder in der Hand, kommt frischer Wind ins PC-Business. Dell-Kunden können ihre Wünsche an den Hersteller ab sofort auf der Website “Dell Idea Storm” kundtun. Der Auftritt kommt in einer Art Mischung von Forum und Blog daher, listet die Anregungen der Kunden einzeln auf und verzeichnet momentan bereits über 800 “Ideas”, wie die Verbesserungsvorschläge im Dell-Jargon genannt werden.
[ ITReseller Online und andere Berichte ]

Crowdsourcing vs. Kraut-Sourcing

Was Dell hier versucht hat allerdings wenig mit dem zu tun, was Crowdsourcing dazu verhalf, zu einem trendigen Buzzword zu mutieren. Vielmehr trägt es alle Grundzüge reiner Marktforschung.

Der einstige Vorzeigekonzern für das Erfinden neuer Märkte vergisst verzichtet auf zwei zentrale Elemente die zu ‘echten’ Innovationen führen könnten:

  • Das aktive Einbinden der Community in einen Prozess, der über eine reine Befragung hinausgeht, und der
  • Kompensation für erbrachte (geistige) Leistungen.

Marktforschung vs. Innovation

Zum Vergleich: Das (immer noch-) Vorzeigebeispiel Crowdspirit (siehe hier, hier oder hier, und wie mir Crowdspirit Gründer Lionel erst heute erzählt hat, auch in Kürze auf dem Crowdsourcing Blog, wo Jeff Howe ein Interview mit ihm geführt hat.).

Bei Crowdspirit steht zweifelsfrei Innovation (in all ihren begrifflichen Variationen) im Vordergrund. Die Community erhält klare, aktive Aufgaben zugeteilt, und wird auch am Erfolg beteiligt. Keine Spur von Geiz-ist-Geil Mentalität bei der Ideengenerierung!

Bei Dell gewinnt (vielleicht) Dell - und nur Dell,
weshalb das Projekt auch an Dynamik und Qualität verlieren wird.

  • Q: Will I be compensated if my idea is implemented by Dell or another company?
  • A: At this time, there are no material rewards associated with Ideastorm.

Bei Crowdspirit gewinnt die Community

  • CrowdSpirit is outsourcing some roles to the community and this allows these people to be financially rewarded for their contribution.

Auch Matias Rosko von VisualOrgasm, einer aufstrebenden Community Sourcing Plattform, zählt o.a. Motivationselemente zu den Erfolgsgeheimnissen, nämlich:

  • Immaterielle Anreize, Mundpropagande, Reputation,…: ‘Kreative haben eine neue Plattform um sich zu präsentieren.’
  • Geld- und Sachpreise: ‘Gleichzeitig sollen sie die Chance bekommen sich ein wenig dazu zu verdienen. Geldpreise für die Sieger plus Sachprämien.’

So schön kann Wirtschaft sein, titelte ein tausendfach verkauftes Buch meines Freundes Karl Gamper. Darin findet sich (wenn auch in anderem Zusammenhang) ein weiterer wiederkehrender und nicht erst seit LOHAS wiederkehrender Anreiz, der Menschen zu freiwilliger Mitarbeit an innovativen Projekten motiviert:

‘Gewissen’ Dingen neuen Sinn zu geben. Auch darauf beruhen Open Source und das viel zitierte Mitmach-Web, aber dazu ein andermal…

Abschließend noch eine Reaktion auf einen meiner Beiträge, die mir besonders gefallen hat:

Crowdsourcing - just another buzzword? I like the concept behind it but it’s not really new. There’s always been focus groups and customer driven innovation. some companies more, others less. However the term crowdsourcing could indeed give the topic a good boost: As always a good name for a concept is needed for managers to remember it :)
Marc Faeh im Bengston Blog, thanks Marc!

3 ähnliche Beiträge zu Anreizsystemen mit weiterführenden Links

Foto: Flickr | Homepages der diskutierten Projekte:

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9 Kommentare zu “Was Crowdsourcing nicht ist”

  1. Comment von Protagonist in spe

    Wie schön. Mehr. Genau, das möchten wir lesen. “Schwarmintelligenz” wunderbar. Nachdem das Trendbüro vor fast drei Jahren sehr kreativ den Begriff “ready-statete”, völlig frei von seiner Bedeutung, wird es nun Zeit sehr vielsagend damit umzugehen. Finde ich super.
    Auch “Crowdsourcing vs. Kraut-Sourcing” ist ein fabelhaftes Exemplar. Einfach irgendwas schreiben, mit flachem Wortwitz ohne Kontext - gen Standortvorteil. Danke.

  2. Comment von Trackbacks

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  3. Pingback von Linkschwung mit Nutzwert, 07-2007 | work.innovation Blog

    [...] Was Crowdsourcing nicht ist beschreibt Hannes Treichl schön am Beispiel einer neuen Aktivität von Dell. Unter anderem fehlt es bei Dell an der wirklichen Wertschätzung der Community. Sprich: Dell will lediglich abgreifen, ohne dafür eine Gegenleistung zu bringen. [...]

  4. Pingback von Kunden in Innovationsprozesse involvieren. Einige Kernfragen vor dem Start. | work.innovation Blog

    [...] Von der Frage nach der Notwendigkeit eines klaren Nutzens muß man keinen Unternehmer überzeugen. Spannender wird die zweite Frage. Ein paar olle Kamellen aus der Werbeartikelkiste? Vergessen Sie es am besten gleich wieder. Ein T-Shirt mit Werbeaufdruck holt niemanden hinter dem Ofen hervor, geschweige denn motiviert zu den qualitativ hochwertigen Beiträgen, die Sie brauchen. Und dann ist Wertschätzung etwas anderes als das einseitige Abgreifen von Wissen. Hannes Treichl hat das vor kurzem sehr schön am Beispiel von Dell aufgezeigt. [...]

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    [...] “Glückliches Leben” Innovativ-in Business Club: “Lebst Du schon LOHAS?” Hannes Treichl: “Was Crowdsourcing nicht ist“. Der GesundheitsCoach: “Wie LOHAS sind Sie?” Vom Bösen zum Guten: Karl Schweißfurth: [...]

  9. Comment von Patrick Fritz

    Der Kommentar von Marc Faeh im Bengston Blog trifft den Nagel auf den Kopf. Wobei ich mich schon traue zu behaupten,das “richtiges” crowdsourcing, mehr “sein sollte” als eine Fokusgruppe ;-)

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