Als Restaurant-Gast bezahlen was ich will?

Überraschungsmenüs bei denen SIE bezahlen was SIE wollen - Gletscherblick Mieders, Stubaital, Tirol, ÖsterreichAls Barbara Schreiner Anfang 2006 in Mieders im Tiroler Stubaital das Restaurant Gletscherblick übernahm, wurde sie von vielen belächelt.

In einem von Hotels und Restaurants übervölkertem Tourismus-Tal einen Gastgewerbe-Betrieb zu führen, der noch dazu den Nachteil hat, nicht direkt an einer Skipiste zu liegen, birgt zugegebenermaßen ein gewisses Risiko.

Die innovative Wirtin hat es dennoch geschafft, innerhalb kürzester Zeit für Furore zu sorgen und ihr Restaurant, sowohl unter Einheimischen als bei Touristen, bekannt zu machen. Ein Baustein dazu war auch ihre Interpretation des Begriffs eines Überraschungsmenüs

Jetzt drehen wir den Spieß um! Überraschen Sie uns! Besuchen Sie uns, lassen Sie sich von unseren Küchenprofis ein mehrgängiges Überraschungsmenü zusammenstellen und überraschen Sie unser Sparschwein, indem Sie es angemessen füttern.

Bevor die Wirtin Kunde für Kunde individuell entscheidet was serviert wird, entgeht niemand ihrem streng prüfenden Blick. Die meisten Kreationen stehen auf keiner Speisekarte. Das Menü ist eine Symbiose aus Menschenkenntnis, Witz, Kreativität und Kochkunst - das Repertoire reicht von Tiroler Schmankerln bis hin zu haubenverdächtigen Leckerbissen.

Restaurant Gletscherblick, Stubaital - Überraschungsmenü: Entweder es schmeckt oder gratisDas Beste kommt zum Schluss:
Der gekonnt inszenierte Auftritt des Schweins!

Nie mehr böse Überraschungen bei der Rechnung erleben! Einzig und allein der Gast bestimmt den Preis des Menüs und wirft garantiert keinen Cent zu viel in das Schwein. So verlassen nur begeisterte Kunden Fans das Lokal, denn bezahlt wurde nicht irgendein Preis, sondern der subjektiv empfundene Wert! Ein Risiko für die Wirtin?

Niemand glaubte uns, dass so etwas in Tirol funktioniert, und erklärte uns, warum sich unser Überraschungsmenü niemals rechnen würde’, erinnert sich Barbara. ‘Aber die Gäste sind nicht nur fair, sondern überaus großzügig. Manche bezahlen Preise, die hätte ich mich niemals in die Karte zu schreiben getraut.

Was sie dabei selber vergisst: Die meisten Kreationen wären dort ohnehin nicht vorgekommen. Ob die Großzügigkeit auch an Service und Charme liegen mag?

Für mich ein Querdenk-Beispiel für das Lehrbuch. Sich über Widerstände hinweg setzen, Mut zu Neuem, seine Kunden individuell behandeln - besser gehts kaum. Kompliment zu Idee und Umsetzung!

Normalerweise steht an dieser Stelle der Verweis auf die Quelle. In diesem Fall war es ein Zufall, der mich selbst dorthin führte - oder vielmehr eine Empfehlung. Auf teure Werbung mit hohen Streuverlusten kann der Gletscherblick mittlerweile verzichten:
So mächtig kann Mundpropaganda sein…

www.gletscherblick-mieders.at | www.gletscherblog.at

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12 Kommentare zu “Als Restaurant-Gast bezahlen was ich will?”

  1. Comment von Marko Krause

    Es gibt auch in Berlin eine Bar in der man am Ende nur soviel zahlt, wie man denkt getrunken zu haben. Habe davon natürlich auch wie sollte es anders sein, von einem Bekannten erfahren.

    Hab mal versucht die Seite zu finden und bin dabei auf einen interessanten Artikel über das Thema gestoßen. Dort werden auch Beispiele aus anderen Branchen genannt, die nach dem Prinzip, ich zahle was es mir Wert war funktionieren.

    http://www.dradio.de/dlr/sendungen/kompass/296055/

  2. Comment von Hannes Treichl

    Danke für den Link, lieber Herr Krause!

    IM Gastgewerbe Gedankensplitter hat Gerhard Schoolmann auf noch weitere verlinkt. Mit dabei auch das inzwischen schon legendäre und vielbeschriebene Accor-Modell.

    In Kombination mit ‘Die Wirtin bestellt für mich’ ist der Gletscherblick Ansatz allerdings wahrscheinlich einmalig.

  3. Trackback von ANDERS|denken Blog

    Mission Impossible: Wein aus dem Mega-Humidor…

    Manche Restaurants setzen sich im harten Kampf um Gäste mit Überraschungsmenüs durch, andere mit wechselnden Spitzenköchen, Tracking-Steaks oder chinesischen Viral-Marketing-Tricks. Ein Luxus-Restaurant in Las Vegas ist schon seit 1999 mit einer be…

  4. Comment von Florian Komm

    In unserem Blog gibt einen Erfahrungsbericht zum oben erwähnten Restaurant in Berlin.

    http://labor.entrepreneurship.de/blog/egonomics-when-the-price-is-exactly-what-you-are-willing-to-pay/

  5. Trackback von ANDERS|denken Blog

    Mundpropaganda im Tourismus…

     
    Nicht nur Ideen sind innovativ.
    Es kommt auch darauf an, wie man darüber redet!
    Die Vorgeschichte: Es freut mich, wenn die Inhalte meines Blogs anderen immer wieder als Quelle der Inspiration helfen kann - das war eine der Ideen dahinter.
    So …

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    [...] Positivbeispiel: Ich habe im Dezember über ein kleines innovatives Restaurant im Stubaital berichtet, einfach nur weil mit das Konzept der Wirtin des Restaurant Gletscherblick in Mieders gefallen hat. [...]

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