Affen, Mundpropaganda und Differenzierung

Die eleganteste Form der Mundpropaganda ist jene, bei der virale Effekte bereits in das Produkt “eingebaut” sind, so wie in diesem Beispiel: Gerücht, Legende, Betrug oder einfach nur geschicktes Storytelling?

Hand auf Herz: Wer wird nicht neugierig, wenn jemand bei einer Tasse Tee erklärt, dass die Blätter am Boden der Teekanne von Affen geerntet wurden. Und auch auf der Verpackung steht es: “Monkey picked tea!”

monkeypickedtea.jpg

  • Tee aus von Affen gepflückten Blättern? Die Geschichte (und mit ihr die Marke) muss man einfach weitererzählen! Sie sorgt bei der nächsten Party ganz sicher für Gesprächsstoff. Ich hoffe nur, niemand kennt die Hintergründe, die John in in diesem Video erzählt.

    (Version 1) Nämlich dass findige Chinesen die Affen auf das Pflücken der Teeblätter angesetzt haben, um Lohnkosten zu sparen.

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  • Da verbreite ich schon lieber die Legende, (Version 2) dass vor langer Zeit chinesische Bauern neidisch auf wundersame Pflanzen empor blickten, die hoch über ihren Köpfen auf für Menschen unerreichbaren Felsen wuchsen. Schon bald entdeckten die Sterblichen eine Herde Affen, die munter auf den Felsen herum turnte. Die Menschen warfen mit Steinen nach den Affen um sie zu ärgern, und diese wehrten sich, indem sie die begehrten Teepflanzen auf die Menschen schleuderten…
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  • Zu gewalttätig? Dann doch die Mönchsgeschichte, (Version 3) die besagt, dass buddhistische Mönche (monks) die Affen (monkeys) trainiert haben sollen, um ihnen beim erschwerlichen pflücken der auf steilen Hängen wachsenden Teeblätter zu helfen. Heute vereint der Monkey picked Tea jahrhundertelange Handwerkskunst mit den vererbten Fähigkeitne der Tee-pflückenden Affen.

Oder soll ich doch einfach nur bei der (angeblichen) Wahrheit bleiben? Tie Guan Yin ist heute einer der 10 berühmtesten Tees Chinas. Die Bezeichnung “monkey picked” hat aber nichts mit der Produktionsmethode zu tun, sondern steht als Synonym für “highest quality available“. Das Kilogramm kostet rund 350 Euro. Ohne obige Legenden und Geschichten (derer es noch weitere Versionen gäbe), wäre ich auf den Tee vielleicht niemals aufmerksam geworden.

Auf der AUFSCHWUNG hatte ich mit den Teilnehmern verschiedene Differenzierungsmöglichkeiten andiskutiert. Diese hier war nicht dabei, könnte jedoch heißen:

Differenzierung durch Anachronismen, Argumenten die bewusst einer Epoche zugehörig dargestellt werden, in der sie nicht mehr oder noch nicht existieren.

Ausserdem… wer weiß: Ein Funken Wahrheit soll ja in jeder noch so verrückten Geschichte schlummern :-)

In some villages people still use the ancient technology of trained monkeys to pick tea. Monkeys pick the hardest to get tea leaves from mountains and cliffs. [via]

Bildquelle: Edible Online Shop

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2 Kommentare zu “Affen, Mundpropaganda und Differenzierung”

  1. Comment von Markus Pirchner

    Dann wird es ja wohl nicht lange dauern, bis eine Sonderedition von “Bounty” oder Blaschkes Kokoskuppel - monkey picked coconut - heraus kommt. ;-)
    Da könnte es dann sogar stimmen, da - z.B. in Thailand - Affen tatsächlich trainiert werden, Kokosnüsse zu ernten. Die tun sich in der Regel etwas leichter als Menschen. Allerdings sind trainierte Affen sehr teuer. Naja, gut ausgebildete Fachkräfte halt.

  2. Pingback von ANDERS|denken Business Blog » Wer den teuersten Kaffee der Welt sch…

    [...] schon beim von Affen gepflückten Tee sorgen Produktionsverfahren und die Geschichte zum Produkt für Differenzierung - und hohe [...]

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