Alle Beiträge zum Schlagwort (Tag) Differenzierung’
Bei Anruf Bier: Mönche als Marketingpriester
Was haben Apple, Crest, Red Bull, Coke und hunderte andere gemeinsam? Sie alle sind Kultmarken. Viele von ihnen kennen wir, weil wir täglich mit ihnen zusammentreffen.
Ein Beispiel dafür dass Kultmarken aber nicht zwingend jede/r kennen muss, ist Westvleteren Abt 12 - ein von belgischen Trappisten Mönchen gebrautes Bier, das unter Bier-Liebhabern immer wieder gerne als das beste der Welt bezeichnet wird.
Ben McConnell erzählt in Church of the Customer, welche “Opfer” die Glaubensgemeinde des Trappisten-Biers auf sich nimmt, um in den Besitz einer der begehrten Kisten zu kommen, von denen monatlich ca. 5.000 (entspricht 120.000 Flaschen) gebraut, abgefüllt und verkauft werden. Für Bestellungen haben die (ansonsten nicht gerade als redselig bekannten) Mönche ein Biertelefon eingerichtet - auch das hat Kult-Charakter:
- You call the beer phone (+32 (0)70/21.00.45) to know when, how much and which beer can be reserved at that time.
- You call back at the indicated time.
- You make an appointment with the operator (date and time) and you give the licence plate number of the car that will collect the order.
Die ganze Arbeit bleibt dem Kunden überlassen. Die Mönche kümmern sich keinen Deut um Marketing, Vertrieb oder Verpackung, denn das Bier kommt unetikettiert zu den Schlange stehenden Kunden, und zwar nach starr festgelegten Zeitplänen. Keine Ausnahmen. Weiterverkauf verboten. Erwerbslimit pro Person: 2 Kisten bei zusätzlich (künstlich) knapp gehaltener Gesamtproduktionsmenge. Über Jahrzehnte beibehaltene, klare Spielregeln, keine Sonderwünsche. Keine Anpassung an Mode- oder Managementtrends, ideel aufgeladen, authentisch, hervorragend erzählte Geschichten. Kunden lieben all das, oder lehnen es ab.
Liegt die Frage nahe, warum nicht mehr Unternehmen und Marken, die (meist ungewollt) ähnlich mit ihren Kunden umgehen, Kult werden? Neben dem Erfüllen des Anspruchs auf Qualität impliziert Ben’s Schlussbemerkung einen weiteren Schlüssel:
After all, cult is the root of culture. It is culture that creates a cult brand.
Homepage: www.sintsixtus.be
Gefunden bei Church of the Customer
Wikipedia über das Trappistenbier
Bildquelle: Flickr
Future Pricing - Kunden bezahlen für andere Kunden.

Dass Restaurantgäste den Preis selbst bestimmen ist zwar nicht wirklich etwas Neues, das Konzept des Seva Cafe fügt jedoch noch einen weiteren Baustein hinzu: Eine Vision und zwar jene der Entwicklung sozialer Verantwortung.
Wie funktioniert das Konzept? - Jeden Tag kehren in dem kleinen Restaurant rund 60 Menschen ein. Jeder Gast wird Teil seiner Geschichte - und seiner Zukunft, denn am Ende des Essens entscheidet der neu gewonnen Freund selbst was er bezahlt, bzw. was es ihm Wert ist, dass auch am nächsten Tag wieder für andere Gäste gekocht werden kann.
Seva Café is an experiment in the joys of giving and selfless service. Run mostly by volunteers, our wholesome meals are cooked with love and served with love, offered to you as a genuine gift.
Seva Café invites you to feel at home and engage in inspiring conversation. We welcome you to feed your mind and your soul by taking the idea of selfless service beyond our walls, into your daily life and into your community.
Für manche hierzulande unvorstellbar, in Indien (Ahmedabad) funktioniert es, in Long Beach (Kalifornien) auch…
Links: Seva Cafe Indien, Seva Cafe Long Beach (Kalifornien)
Quelle: Ideentower
Zuzzid - Erfahrungsberichte über Versicherungen
Erst letzte Woche habe ich mit einem Finanzdienstleister eine ausführliche Diskussion über Web2.0 und Chancen für ein Versicherungsunternehmen geführt. Als es um Risiken ging kam (natürlich) der v.a. allem aus Touristiker-Kreisen bekannte Punkt: Angst vor Kundenbewertungen. Durchaus verständlich, ist doch das Image der Branche in der breiten Masse nicht immer das allerbeste.
Keine Angst vor Kundenbewertungen hat hingegen das britische Versicherungsunternehmen Norwich Union. Mit Zuzzid hat es eine Plattform geschaffen, auf der frustrierte, verärgerte, glückliche und positiv beeindruckte Versicherungskunden ihrem Ärger oder Ihrer Begeisterung freien Lauf lassen, und ihre positiven wie negativen Erfahrungen mit anderen teilen können.

Putting power in the hands of insurance customers, not insurance companies. The ZUZZ. Let everyone know about your good, bad and ugly insurance experiences.
Zuzzid könnte zu einer Drehscheibe für Vorkaufsentscheidungen werden. Erwünschte Marketing-Nebeneffekte für Norwich Union gibt es viele, und so mancher wird sich an gemeinsame Workshops erinnert fühlen, wenn ich einige hier aufzähle:
Das Versicherungsunternehmen hat einen Geschwindigkeitsvorsprung beim täglichen Kampf um neue Kunden, kann über das integrierte Social Network persönliche Beziehungen aufbauen, und neue Marktforschungsmöglichkeiten nutzen. Außerdem erhält es (über demographische Barrieren hinweg) einen breiten Überblick über die Stärken und Schwachstellen von Mitbewerbern. Crowdsourcing zur Beobachtung der Konkurrenz. Clever gemacht!
Wie viel Wissen die User bereit sein werden preiszugeben, wie die Qualität der Beiträge sich gestalten wird, ob die Plattform auch langfristig überleben wird, und wie das generierte Wissen intern für bessere Leistungen (und letztendlich höheren Verkaufserfolg) genutzt wird, hängt zum einen vom Verhalten und der Zurückhaltung von Norwich Union gegenüber den Usern ab, zum anderen von den eigenen Stärken von Usern generiertes Wissen zu verarbeiten.
Ausbrechen aus einem grauen Markt: Kleenex
Worauf Diesel beim vorgestern vorgestellten Beispiel individuell beeinflussbarer Produktverpackungen verzichtet hat, setzt Kleenex in diesem Beispiel um: Mass-Customization und Individualisierung von Verpackungen, um sich in einem Markt einfach vergleichbarer Produkte wieder einen Schritt weiter zu differenzieren.

Im einfach bedienbaren Online Konfigurator lässt sich die Box individuell anpassen, eigene Fotos hochladen und bei Bedarf mit dutzenden Cliparts und persönlichen Texten ergänzen. Preis für die selbst designte Taschentücher-Box: 4.99 Dollar zzgl. Versandkosten, also durchaus auch leistbar. Mehr unter www.mykleenextissue.com.
Gefunden bei Werbeblogger
Duftende Handies
Naja, (zum Glück?) ist es nicht ganz so. Aber alles der Reihe nach… Während Handy Hersteller ästhetisch anspruchsvollen Kunden immer noch schöner designte Modelle anbieten, und dabei gerne auf Co-Branding zurückgreifen (vgl. Editions Hummer, Prada, Dolce & Gabbana, Armani, Ferrari, Bang & Olufsen), versucht der japanische Netzbetreiber NTT DoCoMo einen ganz anderen Sinn seiner KundInnen anzusprechen: Den Geruchs-Sinn.

Screenshot: Sony Ericsson Japan
Ein speziell parfumierter Streifen auf der Oberfläche eines Sony Ericsson SO703i gibt 11 individuell wählbare Düfte ab. Mindestens 3 Monate soll das Geruchserlebnis halten, danach können die Streifen ausgetauscht werden.
[...] one has a variety of choices (11, in fact) to select from including “Apple Pie”… yummy! The scents are released from a replaceable strip located near the central hinge. Though guaranteed to work for 3 months, it seems the fragrance continues to be released for a lot longer than that. And then? Simply replace the old scent strip with a new one, perhaps a different aroma if smelling Apple Pie every time you make or take a call is leading to a weight gain. [Inventorspot]
Ich brauchs zwar nicht, aber ein netter Gimmick für den es eine ausreichend große Zielgruppe geben sollte.
Design deine Parfumflasche - Mass Customization bei Diesel
Die Lifestyle-Marke Diesel hat Mass Customization entdeckt. Fans der Marke (und solche die es noch werden sollen) können das Aussehen ihrer Parfumflaschen selbst bestimmen.

Screenshot: Diesel
Aussenhülle, Farben und Logos der Marke “Fuel for Life” können im Online Konfigurator selbst zusammengestellt werden. Dabei sollten die 150.000 unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten Garantie genug sein, dass die Nachbarin nicht die selbe Flasche im Badezimmer stehen hat.
Was zum perfekten Beispiel für Individualisierung aber eindeutig fehlt, ist die Möglichkeit der exquisiten Parfumflasche seine eigene Note (sprich Design) aufzudrücken. Schade eigentlich, aber das war Diesel produktionstechnisch dann vielleicht doch eine Stufe zu hoch?!
Diesel verhofft sich durch die Aktion mehr Besucher auf seiner Internet-Plattform, und das dürfte angesichts des nahezu perfekten Timings möglich sein: In 3 Monaten ist immerhin Weihnachten…
Link: www.diesel-parfums.com
Erstklassig positionieren: Hotel mit Schlafgarantie

Worauf freut man sich bei einem Städte”urlaub” nach stundenlangem durch die Straßen Laufen am meisten? Außer auf ein kühles Bier wahrscheinlich auf ein bequemes Bett und gesunden Schlaf.
The Benjamin Hotel in New York garantiert seinen Gästen, dass sie bestimmt ein-, sowie tief und fest schlafen, ansonsten schläft man eine Nacht gratis.
Dass es auch zahlende Gäste im Benjamin gibt, dafür sorgt ein eigener Schlaf Concierge.
Choose from full body cushion, gelly neckroll, stain beauty, Swedish memory and eight more. Consult with our hotel’s Sleep Concierge and learn about our Sleep Guarantee.
Speziell für das Hotel entworfene Matratzen und 13 unterschiedliche Kissentypen gibt es im Benjamin, fast alles wurde von der kreativen Hotelleiterin Anya Orlanska selbst entwickelt: Das Kissen Swedish Memory basiert auf einem von der NASA entwickelten Grundmaterial, das Wasserkissen lindert Genicks- und Kopfschmerzen, Snore-No-More sorgt dafür, dass auch der/die PartnerIn gut schläft und das Lullaby wartet mit eigenem iPod Anschluss auf. Das große Polster-Sortiment ergänzen spezielle Einschlaf-Snacks und eine Einschlaf-Massage.
Auch auf des Menschen besten Freund (19% der AmerikanerInnen nehmen Haustiere auf Reisen mit!) hat sich The Benjamin eingestellt und bietet im Rahmen des Dream Dog Programms sogar spezielle orthopädische “Betten” für Hunde an.
Und spätestens seit eine vom Schnarchen ihres Mannes erlöste Kundin das Anti-Schnarchkissen unbedingt mit nach Hause nehmen wollte, kann man sämtliche Kissen auch kaufen - auch per Internet Shop.
Schönes Beispiel, um sich mit einer klaren Positionierung in den Köpfen seiner Gäste zu verankern und in Erinnerung zu bleiben.
Aber auch Nicht-Touristiker können von diesem Beispiel lernen: Wer Betten produziert oder verkauft, verkauft nicht bloß Betten, sondern seinen Kunden das Erlebnis Schlaf und Entspannung - Probleme lösen, Wünsche erfüllen.
The Benjamin via Travelhorizons und New York Times
Wie sich ein Produkt von selbst verkauft

Vor 2 Jahren kam die 28jährige Leyla Safai auf die Idee, sich einen Truck zu kaufen, ihn pink anzumalen und damit quer durch Los Angeles zu fahren. Im Gepäck: Eiscreme aus aller Welt, Stofftiere und coole Musik.
Heute, 2 Jahre später, besitzt Leyla 5 Trucks und tourt damit durch die ganze Welt. Von Los Angeles bis New York, Paris, London und Tokyo, ist gerngesehener Gast auf Geburtstagsparties, Fashion Shows und anderen Events.
Leyla akquiriert längst keine Kunden mehr, sie wird akquiriert und gebeten den Pink Ice Cream Truck auf der eigenen Party vorzufahren.
Was macht Leyla so erfolgreiche? Sie ist aus der langweiligen grauen Mitte ausgebrochen, differenziert sich von 0815 Eiscreme Verkäufern und bietet mehr als nur ein Produkt, nämlich Erlebnis und Lifestyle und laut eigenen Aussagen etwas, das man nicht greifen kann, das Kunden aber spüren - wahrscheinlich viel Authentizität und Herz!
www.heartschallenger.com | Foto: Heartschallenger
Strickende Omas und bunte Socken
Socken strickende Omas sind (zumindest hierzulande) nichts Besonderes und zumeist hoffnungslos “ausgebucht” weil die gesamte Verwandtschaft (vor allem vor Weihnachten) “Bestellungen” aufgibt. Dass Omas ihre Socken übers Internet verkaufen (lassen), ist dann doch wieder etwas Selteneres.
15 echte Sockenspezialistinnen fertigen deine Wunschsocken an. Raffinierte Strickmuster und verwöhnte Füsse haben uns überzeugt. Wir haben sie auserkoren, damit sie sich für dich auf die Socken machen. Unsere Net Grannys bieten dir ihre ganz persönlichen Lieblingssocken an.
Die NetGrannies sind eine Erfindung (oder sagen wir lieber die geschickte Verknüpfung von Tradition, mit moderner (Vertriebs-)Technik) des Schweizer Modelabels Tarzan. NetGrannies ist ein gelungenes Projekt mit sozial nachhaltigem Ansatz, von dem viele Unternehmen wieder einmal eines lernen können: Wie man Storytelling, also Geschichten rund um Unternehmen, Mitarbeiter und Produkte zu erzählen.

Jedes Paar Socken kommt mit einer Geschichte zur Oma (z.B. Granny Dorli: “Als Kinder sassen wir singend auf der Quitte und haben gestrickt”), und transportiert so nicht nur ein anonymes Produkt, sondern baut vom ersten Berührungspunkt an Emotionen auf.
Spezieller Gag: Überraschungssocken für EUR 26 das Paar. “Lass dich vom Design der Granny überraschen!” - Das hatten wir hier übrigens schon einmal.
www.netgranny.ch via Best Practice Business
Wer den teuersten Kaffee der Welt sch…
Looks like crab, feels like crab, smells like crab … Civet Coffee.
Wieder mal ein Produkt, das seinen Mundpropagandaeffekt schon “eingebaut” hat - Kopi Luwak, der Katzenkaffee.

Was den aus Indonesien stammenden Kaffe zum einem der seltsamsten Getränke und teuersten Kaffee der Welt macht: Das Produktionsverfahren, denn
…als Kopi Luwak werden ausschließlich die Kaffeebohnen bezeichnet, die vom Fleckenmusang (einer Schleichkatzenart) gefressen und wieder ausgeschieden wurden. [An dieser Stelle rutsche in einem Workshop in dem ich das Beispiel eingebaut hatte einer Teilnehmerin treffend das Sch-Wort heraus] Das Exkret wird von den Einheimischen eingesammelt. Die Bohnen werden gewaschen und leicht geröstet.
Angeblich soll die besondere “Produktionsmethode” des Kaffees, sein Aroma verändern. Wer jetzt glaubt der Kaffee sei nur etwas für Freaks irrt, denn er hat v.a. in Spezialitätenshops seine Fans.
Wie schon beim von Affen gepflückten Tee sorgen Produktionsverfahren und die Geschichte zum Produkt für Differenzierung - und hohe Preise: 350 bis 1.200 EUR kostet 1kg der Kaffee-Spezialität … nicht schlecht. Ach ja, was war nochmal die Geschichte rund um Ihr Produkt?
PS: Hier ein Video über den Civet Coffee… [Weiterlesen] »



