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Alte (diktatorische) Welt vs. Neue (partizipative) Welt
Do-it-yourself Mode-Schmuck ist nichts Neues. In der Motivation die eigenen Designs zum Leben zu erwecken besteht allerdinge eine große Kluft zwischen Amerika/Großbritannien und Deutschland/Österreich.
Die beiden deutschen Start-Ups Julie & Grace und Pearlfection lösen diesen Engpass, indem sie für ihre Kunden die Produktion übernehmen. Die Hamburger Julie & Grace produzieren in Bali, Pearlfection (München) lässt die Designs in Deutschland verwirklichen.

Ganz im Stil der “2.0 Kultur” bieten die Unternehmen Hobby Designern die Möglichkeit, ihr Taschengeld ein wenig aufzubessern, oder einfach nur Spaß und Stolz daran zu haben, wenn die selbst entworfenen Designs auch von anderen Menschen gekauft werden. Der/die DesignerIn verdient am Verkauf mit. Die Provisionen werden selbst festgesetzt.
Traditionelle Geschäftsmodelle
Selbst Designs erstellen ist auch beim Schweizer BijouDesigner möglich, allerdings habe ich hier keine Möglichkeit an meiner Kreativität zu partizipieren. Die designten Schmuckstücke können “nur” für den Eigenbedarf bestellt werden. Braver Individualisierungs-Ansatz allerdings ohne echtes Erlebnis, Mundpropaga- oder Wiederbesuchspotenzial. Hier schaue ich nur dann vorbei, wenn ich auch tatsächlich Kaufabsicht habe.
Noch ein Beispiel passt in diese Reihe: Swarovskis “Create your Style Community Ansatz. Hier erkennt man zwar deutlich den Community Trend dem zur Zeit viele Konzerne hinterherlaufen, allerdings lässt der Ansatz die zentralste Frage offen: Was ist der Mehrwert dieser Community?

Auf der Seite von Swarovski bietet zwar ein Online Designer seine Dienste an, mehr ist aber (noch) nicht erkennbar. Wozu also meine Daten einem Konzern ausliefern, wenn ich mich alternativ auch auf Facebook mit tausenden anderen Glitzer-Steinchen- und Fashion Addicts austauschen kann?
Leider vergessen zu viele “Bauen wir uns auch mal schnell eine Community” Projekte “alter” Unternehmen auf diesen entscheidenden Faktor oder versuchen ihn erst dann zu kommunizieren, nachdem die Projekte in langwierigen Projekten bis zur vermeintlichen Perfektion konzerintern verfeinert und abgetestet worden sind. Im Falle von Swarovski wird es vielleicht funktionieren - die Marke ist megastark und hat weltweit Hundertausende Fans. Bei anderen Unternehmen werden ähnlich konservative Versuche verdammt schief gehen, lediglich eine Menge Geld verschlingen und zu Frust-getriebenen Rundumschlägen (”Blase…”, “Alles nur ein Modetrend.”,…) führen.
Alte Welt vs. Neue (demokratisierte) Welt
Ich mußte gestern auf dem Weg in unsere Manufaktur drei große Umwege fahren, weil sich endlose Konvois in Richtung Meer geschoben haben (der längste aus über 100 Bussen und LKWs (!), auf deren Ladeflächen oben sehr festlich gekleidete Balinesen unterwegs waren). Am Strand wurden den Göttern dann Opfergaben erbracht und es erfolgt die Reinigung der Seele. [...]
[Quelle: J&G Blog]
Eine gesunde Portion Offenheit und Storytelling abseits von Produktkatalogen schaffen Neugier und erzeugten emotionale Bindung. So berichtet J&G Kopf Markus Bosse in seinem Blog regelmäßig über seine Erlebnisse auf Bali, und spricht dabei auch ganz offen über die vielen Herausforderungen beim Auf-/Ausbau der Produktion. Als Fan von J&G kann ich die Entwicklung des Unternehmens hautnah miterleben. Der Leser beschäftigt sich freiwillig und gerne intensiv mit dem Unternehmen, und erzählt u.U. sogar die eine oder andere Geschichte weiter.
Aus den 4 Beispielen kann man vor allem eines ablesen: Den Unterschied im Versuch, lediglich Realwelt-Geschäftsmodelle ins Internet zu kopieren, oder mit Varianten zu kombinieren und zu experimentieren, zu denen das Internet die perfekten Grundlagen bietet. Die beiden letzten Beispiele haben das m.E. noch nicht ganz geschafft.
Sie sind im ersten Schritt des Prozesses Kunden in den Wertschöpfungsprozess zu integrieren und Teil einer Erlebniswelt werden zu lassen hängen geblieben: Der Demokratisierung und des zur Verfügung-Stellens von Produktionsmitteln.

J&G und Pearlfection gehen über diesen Schritt deutlich hinaus. Nicht nur stellen sie mir ein Produktionsmittel (Design Tool) zur Verfügung, sondern auch ihre Produktionskapazitäten und ihre Vertriebsplattform (Demokratisierung des Vertriebs). Beide unterstützen mich als Verkäufer zudem beim Zugang zu Nischenmärkten (Long Tail) und dabei, mein Angebot in den Weiten des Internet (und Shops - vgl. J&G Geschäftskundenbereich) auffindbar zu machen.
Themenverwandt und demnächst hier im Blog:
Links und Screenshots:
Studie Internet-Nutzung: Jeder unter 30 online
Die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) hat neue Zahlen über Internet- und E-Commerce Nutzung in Deutschland veröffentlicht. internet facts 2007-IV analysiert den Zeitraum von Oktober bis Dezember 2007.
Die Überschreitung der 40-Millionen-Grenze dokumentiert die nachhaltige Etablierung des Internets als universelles Informations-, Kommunikations- und Transaktionsmedium - und zwar generationsübergreifend.
- Die 14- bis 29-Jährigen sind mit 92,9 Prozent nahezu komplett online anzutreffen,
- bei den 30- bis 49-Jährigen sind es mit 79,3 Prozent über drei Viertel.
- 50- bis 59-Jährigen haben bereits einen Onliner-Anteil von 60 Prozent,
- über 60-Jährige: Mit 24,6 Prozent immerhin schon ein Viertel online.
Was machen Menschen im Netz?

Dass Vorkaufsentscheidungen im Netz getroffen werden ist nichts Neues. In dieser Grafik jene Produkte, die besonders gerne online recherchiert werden…

… und hier jene die am häufigsten gekauft werden.

Passend zur Diskussion von heute Nachmittag: Nicht alles worüber sich Konsumenten im Netz eine Meinung bilden wird auch dort gekauft: Z.B. Versicherungen, Altersvorsorge- oder Geldanlage-Produkte in einem wesentlich geringeren Recherche/Kauf-Verhältnis als alle anderen in der Studie angeführten Produkte…

Weitere Details und kostenloser Download der ganzen Studie siehe hier.
Gefunden via ibusiness.de
Weisheit des Tages: Ich liebe meine Kunden
Ich bin gerade auf dem AUFSCHWUNG Event für Gründer in Frankfurt und habe heute mit jemanden über die Einstellung von Menschen zu ihrem Job gesprochen. Dabei erinnerte ich mich an ein Video auf das mich Mario kürzlich aufmerksam gemacht hatte. Darin erzählt ein Schuster über seine Liebe zu Schuhen (und seinen Kunden!).
Mir ist egal ob jemand mit einem 5 oder 1.000-Euro Schuh zu mir kommt - sobald der Kunde sagt es ist sein Lieblingsschuh muss es in dem Moment auch dein Lieblingsschuh sein.
WLAN T-Shirt
Ein T-Shirt für Geeks oder verzweifelt WLAN Suchende Notebook-Besitzer habe ich im Reiseblog gefunden:
Das praktische T-Shirt von ThinkGeek kann nämlich was besonderes: Auf der Vorderseite des Shirts sind ein Funkmast und Funkwellen abgebildet, die bei einem W-LAN-Netz in Reichweite leuchten. Je mehr Funkwellen leuchten, desto stärker ist die Signalstärke der Funknetze. Ob diese dann offen oder verschlüsselt sind, zeigt das T-Shirt allerdings leider nicht an. Für den Strom sorgen drei AAA-Batterien, die in einer Tasche im T-Shirt untergebracht sind. [Quelle: Reiseblog]
30 USD Dollar kostet das Gadget und ist bei ThingGeek erhältlich.
Mass customized Kult Treter: Vans

Noch einmal Mass-Customization: Vans Schuhe sind Kult unter Skate Rebellen. Dazu trägt auch bei, dass das amerikanische Unternehmen eine ganze Reihe Skate-Parks und Events sponsort.
Im Online Shop von Vans findet sich ein Konfigurator, mit dem Fans der Marke ihr ganz persönliches Schuhdesign erstellen können. Der Aufpreis für tausende Kombinationsmöglichkeiten bleibt mit 10 USD im Vergleich zu den Standardmodellen absolut im erträglichen Rahmen. Ein wenig schlechter sieht es erwartungsgemäß mit der Lieferzeit aus, wer aber ein Fan der Marke ist und Wert darauf legt in seinem sozialen Umfeld ein Unikat zu besitzen, wird auch diese widerstandslos in Kauf nehmen.

Screenshots: Vans
Post-it für die Füße
Dem koreanischen Designer Jun-Soo Choi waren entweder manche Fußböden zu schmutzig oder die Seife zum Reinigen seiner Fußsohlen nicht stark genug, also entwarf er das Konzept von “one-size-fits-all” Einweg-Fußsohlen.

Wenn echte Barfuß-Fetischisten jetzt auch sagen mögen dass das Gadget nicht der Grundidee des Laufens ohne Schuhe entspricht so sei daran erinnert, dass das Konzept aus Korea stammt. Dort lässt man beim Betreten von Restaurants bekanntlich sein Schuhwerk am Eingang zurück…
Gefunden bei Yanko Design
So sexy können Geschäftsideen sein

Den BH neu erfunden? Nein, so viel Aufwand war gar nicht notwendig. Die beiden Designerinnen Fantasy Buckman und Piper Miller haben lediglich hässliche Träger neu designt und so konzipiert, dass sie sich (herstellerunabhängig) auf jedem beliebigen BH applizieren lassen.

Ein gutes Beispiel dafür, Probleme seiner KundInnen zu erkennen und auf relativ einfache Art zu lösen.
Erschiess mich, bitte! Mit Schusswaffen auf Jeans: victim
Ein Attentat. Das Opfer: Jeans. Durchgeknallte Mode im wahrsten Sinne des Wortes. Jürgen Koprax und sein Team erschießen Jeans. Mode statt Morde!
victim ist durchgeknallte Mode im wahrsten Sinne des Wortes! Denn wir schießen d’rauf! – und zwar mit einer Clock 19.
Aber eines sei gleich vorweg gesagt – wir sind gegen Gewalt. Für uns sind Waffen Werkzeuge um Mode zu machen. [Quelle: victim]
Die Idee entstand per Zufall wie mir Jürgen vor kurzem erzählt hat. Ich würde dazu eher sagen: Auch aus Zufällen muss man erst ein Geschäftsmodell entwickeln!
Am Morgen nach einer fetten Party in einem Wiener Szene-Club, entdeckte ich in meinem nagelneuen Designersakko riesige Brandlöcher von einer Zigarette. Unangenehme Sache. Was tun? Löcher stopfen? – Nein! Zunähen? – Nein! Sticker drüber? – Nein!
Am nächsten Tag ging ich in den Schießkeller und ballerte auf das Sakko – zu verlieren gab es ohnehin nix mehr. Weil das durchschossene Teil saumäßig geil ausgesehen hat, habe ich es am gleichen Abend bei der nächsten Party angezogen - weil mir grundsätzlich egal ist, was andere denken.
Der Rest ist Geschichte: Mit dem Sakko erregte Jürgen so viel Aufmerksamkeit, dass es nur noch eine Frage kurzer Zeit war, bis JK Instyle Fashion geboren war. Neben dem Shop in Wien sollen demnächst weitere Geschäfte in Österreich, der Slowakei, Tschechien und Deutschland entstehen - und das nur 3 Monate nach Gründung, denn das Unternehmen gibt es erst seit September 2006.
Warum mir die Story des Jungunternehmers gefällt:
Die Idee: Unzählige Ideen werden in Bars geboren - zum Teil hervorragende [siehe hier]. Fast alle scheitern dann aber an der Umsetzung.
Das Erlebnis: Nicht einfach Jeans verkaufen und erklären, wie der Wasch- oder Löcherungs-Prozess funktioniert, sondern gleichzeitig ein Erlebnis und eine Geschichte transportieren.
Individuell: Jedes Paar Jeans ist einzigartig. victim trifft somit den immer noch anhaltenden Trend “customization“.
Anders als (viele) andere setzt victim nicht nur auf klassische Werbung. In Discos und Fitnessclubs werden Fashionshows veranstaltet - eben dort, wo die Zielgruppen gerne feiern und die Marke aufgeladen werden kann. Dazu verriet mir Jürgen seine Zukunftspläne:
Derzeit verkaufen wir nur unsere zerschossenen Sachen Es wird aber in Zukunft Events geben, wo Kunden ihre persönliche Hose schießen können(victim Rohling + Clock 19 + Kunde)
victim wird wohl keine Marke für Waffengegner werden. Spielt das eine Rolle? Nein - Marken haben nicht nur Fans und Freunde. Wer polarisiert fällt auf - und auch darum geht es in einer Welt des grauen Überangebots!
PS: Wem die Einschüsse zu brutal sind, für den gibts immer noch die Jeans Ärzte - sie retten verletzte Jeans [siehe Beitrag]
Homepage & Bildquelle: www.victim.at
Die Jeans Chirurgen
Mein Großvater war Schneider. Zerrissene Hosen reparierte er, indem er kitschige rote Herzen über die Löcher nähte. Heute liegen Löcher zwar wieder im Trend, manchmal können sie aber auch nerven. Vor allem dann, wenn die teuren Lieblings-Jeans sich in mehrere Teile aufzulösen drohen.
Das haben auch die New Yorkerinnen Francine Rabinovich und Karla Schuftan erkannt. Sie bieten eine Therapie für leidgeprüfte Jeans an: Denim Therapy repariert mitgenommene Jeans. Abgerechnet wird pro Inch, eine Therapie kostet im Schnitt zwischen 20 und 30 Dollar, Beratung inklusive. Ein Fokus liegt auf der individuellen Betreuung jedes Patienten.
Warum das Modell funktioniert? Weil viele Menschen ihre Jeans lieben, diese oft einige hundert Euro kosten und nicht zuletzt weil es den Unternehmerinnen gelungen ist, das verstaubte Schneider-Image in einen trendigen Auftritt zu verwandeln. Dazu gehört auch die richtige Geschichte:
‘Wir stopfen die Löcher nicht nur, wir analysieren die Jeans mit modernsten Mitteln, tauschen Faser für Faser aus und retournieren jedes einzelne Stück mit viel Liebe.’
Mehr dazu gibt es in einem Video über das Start-Up.



