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Goodbye Copyright, Hello Remix!
Wieder mal ein gelungener (wenn auch auf den ersten Blick plump wirkender) Marketing Gag der britischen Rockband Radiohead: Für ein paar Dollar konnten einzelne Tonspuren des Songs “Nude” gekauft werden, um anschließend daraus eine eigene Version zu mischen.
2.253 Remixes umfasst die Datenbank nach Abschluss der Einreichphase. Bis 1. Juni hat noch jeder Teilnehmer Zeit, das eigene Werk per Widget auf MySpace, Facebook oder anderen Seiten zu promoten, und möglichst viele Stimmen zu ergattern.
Was winkt den Siegern? Ruhm, Ehre und das Versprechen von Radiohead sich den Remix anzuhören. Ist die Fangemeinde groß (oder die Marke stark) genug, müssen es nicht immer monetäre Prämien sein. Bei VOdA nennen wir so einen Motivationsbaustein “Zugang zu exklusiven Kanälen” - in dem Fall die Chance zu einem persönlichen Kennenlernen mit Radiohead vielleicht.
Die Mundpropaganda ist (nach der Aktion “Bezahlt für unser Album was Ihr wollt“) auf jeden Fall wieder mal gelungen. Das beweisen alleine die mittlerweile über 1.100 Backlinks von Blogs.
Wie viele andere User Generated Content Projekte auch, verführen Radiohead ihre Fans dazu, sich noch intensiver mit der eigenen Marke zu beschäftigen und Mundpropaganda zu streuen - egal ob im Web oder der realen Welt.
Beinahe schmunzelnd schaue ich auf die Konzerttickets neben mir am Schreibtisch: “Fotografieren während des Konzerts verboten.” Also, bitte nur keine Fotos machen und deinen Freunden, die nicht dabei waren, zeigen was sie verpasst haben.
Manche scheinen wohl nie dazulernen zu wollen…
Linktipp zum Schluss:
“Our kids are different than we are: We watched TV, they make TV.”
Web2.0… müssen wir mitmachen? - Tiroler Tourismusforum

Innerhalb von ein paar Stunden haben mich jetzt 20 Menschen darauf angesprochen, was mit den (auch hier im Blog) versprochenen Web2.0 Best-Practice-Beispielen am Tiroler Tourismusforum, das unter dem Titel “Das Mitmach-Web: Müssen wir mitmachen?” stand, passiert ist.
Aufgrund leichter zeitlicher Verspätung wurde der Vortrag kurzfristig durch eine (Wahlkampf-)Rede unseres lieben Landeshauptmannes Dr. Herwig van Staa Platz machen. Schade, dass gerade er, dem das Wohl des Tourismus so am Herzen liegt, die eigene Selbstbeweihräucherung über den Nutzen der Teilnehmer stellt.
Ob Sonne oder Regen, die Grünen haben immer was dagegen. [...] Wenn uns bestimmte Märkte [Anm. von mir: ... aufgrund sich ändernder Reisegewohnheiten!] wegbrechen, müssen wir genau dort noch mehr Geld für Werbung ausgeben.
Dr. Herwig van Staa, Landeshauptmann Tirol (ÖVP)
Mein Angebot an all jene TouristikerInnen, die zum Ende den Saal verlassen haben, oder jene die geduldig gewartet haben.
Meldet Euch per Telefon oder eMail. Ich werde mir etwas einfallen lassen wie wir das Verpasste nachholen können. Und auch dieses “Best of Travel Videos” will ich Euch an dieser Stelle nicht vorenthalten… schauts Euch eben selber am PC an.
Leid tut es mir aber auch für das ganze Veranstaltungsteam der Tirol Werbung rund um Joe Margreiter. Die Konferenz war bis ins letzte Detail perfekt geplant und organisiert, hätte nicht der Abschluss gefehlt - jener Teil in dem die Teilnehmer dann tatsächlich anhand von touristischen Beispielen konkret umsetzbare Ideen mitnehmen hätten sollen. - Trotz allem ein Dankeschön für die tolle Veranstaltung!
Der Mob macht Kunst - Brooklyn Museum New York
Im Brooklyn Museum in New York kann derzeit “jede/r” die Rolle des Museumsdirektors übernehmen. Das Museum stellt für den Sommer eine Fotoausstellung mit dem Namen Click! zusammen.
Im März waren Fotografen dazu aufgefordert Bilder einzureichen. Bis Ende Mai entscheiden Besucher und Foto-Fans, welche Bilder dann tatsächlich ausgestellt werden.
Für das Brooklyn Museum ist Click! ein Experiment das auf James Surowieckis Bestseller, The Wisdom of Crowds, basiert.
As part of the evaluation, each visitor answers a series of questions about his/her knowledge of art and perceived expertise. Click! culminates in an exhibition at the Museum, where the artworks are installed according to their relative ranking from the juried process. Visitors will also be able to see how different groups within the crowd evaluated the same works of art. The results will be analyzed and discussed by experts in the fields of art, online communities, and crowd theory.
Click! ist für mich bereits jetzt wesentlich mehr als ein Experiment um die Weisheit der Vielen zu bestätigen oder zu belächeln. Vor allem ist es ein Web2.0 Vorzeigeprojekt bei dem nicht nur online Fotos bewertet werden, um anschließend wieder in Vergessenheit zu geraten.
Click! hilft dem nicht gerade mit finanziellen Mitteln gesegnetem Brooklyn Museum auch, budgetschonend Aufmerksamkeit zu erzeugen, die Schönheit von Kunst zu transportieren, und durch einfache Widgets (Online-)Mundpropaganda zu erzeugen.
Auch das Problem limitierter Personal-Ressourcen löst Click! elegant - tausende Scouts und Judges die aus Begeisterung an der gemeinsamen Sache aktiv werden.
Fazit: Beispielhaft vorgeführte integrierte Kampagne.
Quelle: Museum 2.0. Danke an Markus für den Linktipp zu diesem tollen Crowdsourcing Ansatz.
Online Brainstorming mit Brainfloor

Endlich mal wieder ein Startup aus Österreich (Kufstein) über das ich hier sehr gerne berichte: Die Ideen- und Brainstorming Plattform Brainfloor der beiden Unternehmer Marcus Berthold und Reini Karner trifft alle meine Lieblinigsthemen: Open Innovation, Crowdsourcing und die effektive Nutzung der Möglichkeiten des Internet.
brainfloor.com nutzt die dezentrale Intelligenz über das Internet. Der Kunde wird zur Produktivkraft und Netzwerke ersetzen Abteilungen. Unternehmen können mit ihren Fragen direkt auf (potenzielle) Kunden und Verbraucher zugehen und wissen so aus erster Hand, wie sie sich verbessern können.
Brainfloor ist Brainstorming - so wie wir es auch schon von brainr, bonspin, fellowforce, brainreactions, openinnovation.ch, InnoCentive und anderen kennen - und dennoch differenziert sich Brainfloor in einigen ganz zentralen Elementen:
Zielgruppe sind vor allem Unternehmen die erkannt haben,
- dass “dort draußen” ein riesiges Potenzial an Ideen herumschwirrt,
- dass tausende Köpfe mehr Ideen haben als einige wenige, und
- dass kein Unternehmen für sich beanspruchen kann, alle Weisen im eigenen Hause zu beschäftigen.
Wie funktioniert Brainfloor?
Als Unternehmen kann ich mit konkreten Problemen an Brainfloor herantreten. Die Innovationsberater von Brainfloor unterstützen ihre Kunden bei der Erarbeitung der richtigen Suchfelder und Fragestellungen fürs anschließende Brainstorming - ein wichtiger Schlüssel um auch jene Antworten zu bekommen die ich mir erhoffe.
Im zweiten Schritt lege ich ein Budget fest, sprich ich entscheide mich wie viel mir die Antworten von Internetusern aus dem gesamten deutschsprachigen Sprachraum Wert sind. Abgerechnet wird nämlich nach der Zahl als brauchbar bewerteter Antworten.
Die eingereichten Antworten werden - etwas Brainstorming unüblich - nicht mit der Öffentlichkeit geteilt, sonder fließen vorerst lediglich den vom Auftraggeber selbst definierten “Ideenmanagern” zur Erst-Bewertung zu - dieser Gruppe können allerdings durchaus wieder Community-Mitglieder von Brainfloor angehören.
Durch diesen Prozess können sich unsere Kunden davor absichern, dass ihnen Mitbewerber die besten Ideen “vor der Nase weg schnappen”, erzählt mir Reinhard Karner in einem Gespräch.
Wie profitieren die Ideengeber?
Ideengebern bietet Brainfloor mehrere Anreize. Für jede eingereichte Idee erhalten sie “BrainChips” die später gegen Sachprämien eingetauscht werden können. Zudem besteht die Chance auf eine Umsatzbeteiligung an Brainfloors Projekteinnahmen, die sich auf bis zu 10% und sich (lt. Auskunft von Gründer Reini Karner) rasch in 4stelliger Höhe bewegen könnten.
Last but not least haben Ideengeber auch die Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen, und vielleicht auch den Auftraggeber vom Potenzial der eigenen Kreativität oder den Fähigkeiten die in Innovationsprozesse eingebracht werden können zu überzeugen.
Non Profit Organisationen brainstormen kostenlos
Ein besonderes Zuckerl haben sich die Gründer für Non Profit Organsationen (NPOs) einfallen lassen - ihnen bietet Brainfloor seine Dienstleistungen kostenlos an.
Noch während ich diesen Beitrag verfasse, veröffentlicht - wie sollte es anders sein - mein Freund Burkhard im Best Practice Business Blog ebenfalls einen Beitrag über Brainfloor, den man hier nachlesen kann.
Alte (diktatorische) Welt vs. Neue (partizipative) Welt
Do-it-yourself Mode-Schmuck ist nichts Neues. In der Motivation die eigenen Designs zum Leben zu erwecken besteht allerdinge eine große Kluft zwischen Amerika/Großbritannien und Deutschland/Österreich.
Die beiden deutschen Start-Ups Julie & Grace und Pearlfection lösen diesen Engpass, indem sie für ihre Kunden die Produktion übernehmen. Die Hamburger Julie & Grace produzieren in Bali, Pearlfection (München) lässt die Designs in Deutschland verwirklichen.

Ganz im Stil der “2.0 Kultur” bieten die Unternehmen Hobby Designern die Möglichkeit, ihr Taschengeld ein wenig aufzubessern, oder einfach nur Spaß und Stolz daran zu haben, wenn die selbst entworfenen Designs auch von anderen Menschen gekauft werden. Der/die DesignerIn verdient am Verkauf mit. Die Provisionen werden selbst festgesetzt.
Traditionelle Geschäftsmodelle
Selbst Designs erstellen ist auch beim Schweizer BijouDesigner möglich, allerdings habe ich hier keine Möglichkeit an meiner Kreativität zu partizipieren. Die designten Schmuckstücke können “nur” für den Eigenbedarf bestellt werden. Braver Individualisierungs-Ansatz allerdings ohne echtes Erlebnis, Mundpropaga- oder Wiederbesuchspotenzial. Hier schaue ich nur dann vorbei, wenn ich auch tatsächlich Kaufabsicht habe.
Noch ein Beispiel passt in diese Reihe: Swarovskis “Create your Style Community Ansatz. Hier erkennt man zwar deutlich den Community Trend dem zur Zeit viele Konzerne hinterherlaufen, allerdings lässt der Ansatz die zentralste Frage offen: Was ist der Mehrwert dieser Community?

Auf der Seite von Swarovski bietet zwar ein Online Designer seine Dienste an, mehr ist aber (noch) nicht erkennbar. Wozu also meine Daten einem Konzern ausliefern, wenn ich mich alternativ auch auf Facebook mit tausenden anderen Glitzer-Steinchen- und Fashion Addicts austauschen kann?
Leider vergessen zu viele “Bauen wir uns auch mal schnell eine Community” Projekte “alter” Unternehmen auf diesen entscheidenden Faktor oder versuchen ihn erst dann zu kommunizieren, nachdem die Projekte in langwierigen Projekten bis zur vermeintlichen Perfektion konzerintern verfeinert und abgetestet worden sind. Im Falle von Swarovski wird es vielleicht funktionieren - die Marke ist megastark und hat weltweit Hundertausende Fans. Bei anderen Unternehmen werden ähnlich konservative Versuche verdammt schief gehen, lediglich eine Menge Geld verschlingen und zu Frust-getriebenen Rundumschlägen (”Blase…”, “Alles nur ein Modetrend.”,…) führen.
Alte Welt vs. Neue (demokratisierte) Welt
Ich mußte gestern auf dem Weg in unsere Manufaktur drei große Umwege fahren, weil sich endlose Konvois in Richtung Meer geschoben haben (der längste aus über 100 Bussen und LKWs (!), auf deren Ladeflächen oben sehr festlich gekleidete Balinesen unterwegs waren). Am Strand wurden den Göttern dann Opfergaben erbracht und es erfolgt die Reinigung der Seele. [...]
[Quelle: J&G Blog]
Eine gesunde Portion Offenheit und Storytelling abseits von Produktkatalogen schaffen Neugier und erzeugten emotionale Bindung. So berichtet J&G Kopf Markus Bosse in seinem Blog regelmäßig über seine Erlebnisse auf Bali, und spricht dabei auch ganz offen über die vielen Herausforderungen beim Auf-/Ausbau der Produktion. Als Fan von J&G kann ich die Entwicklung des Unternehmens hautnah miterleben. Der Leser beschäftigt sich freiwillig und gerne intensiv mit dem Unternehmen, und erzählt u.U. sogar die eine oder andere Geschichte weiter.
Aus den 4 Beispielen kann man vor allem eines ablesen: Den Unterschied im Versuch, lediglich Realwelt-Geschäftsmodelle ins Internet zu kopieren, oder mit Varianten zu kombinieren und zu experimentieren, zu denen das Internet die perfekten Grundlagen bietet. Die beiden letzten Beispiele haben das m.E. noch nicht ganz geschafft.
Sie sind im ersten Schritt des Prozesses Kunden in den Wertschöpfungsprozess zu integrieren und Teil einer Erlebniswelt werden zu lassen hängen geblieben: Der Demokratisierung und des zur Verfügung-Stellens von Produktionsmitteln.

J&G und Pearlfection gehen über diesen Schritt deutlich hinaus. Nicht nur stellen sie mir ein Produktionsmittel (Design Tool) zur Verfügung, sondern auch ihre Produktionskapazitäten und ihre Vertriebsplattform (Demokratisierung des Vertriebs). Beide unterstützen mich als Verkäufer zudem beim Zugang zu Nischenmärkten (Long Tail) und dabei, mein Angebot in den Weiten des Internet (und Shops - vgl. J&G Geschäftskundenbereich) auffindbar zu machen.
Themenverwandt und demnächst hier im Blog:
Links und Screenshots:
Sonntagsgeschichten: Marketing eines Nicht-Marketers

Leser dieses Blog wissen, dass ich Geschichten mag. Besonders solche die das Leben schrieb. Ich lese Geschichten gerne in (guten) Blogs, aber noch lieber lasse ich sie mir bei einem hervorragenden Glas Wein erzählen.
Im Anschluss an meinen Vortrag über Web2.0 im Tourismus bei den Europa Wanderhotels erzählte mir der Hotelier Hermann Grubauer seine Geschichte, die 1976 in Brasilien begann. Dort lebte und arbeitete er 5 Jahre lang in den Regenwäldern des Amazonas mit zwei Indianerstämmen. Die Indios lehrten ihn das, was heute Grundlage für den Erfolg seines Wanderhotels Tuxtertal ist, die er von der 18 Betten Pension zum 4-Sterne Hotel geführt hat.

„Weißt du“, begann Hermann, „vielen Hoteliers hier geht es heute noch viel zu gut. Sie sind zu satt. Darum haben sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt und wollen sich nicht verändern. Nur der Hunger lässt auch die einfachste Nahrung zum Festmahl werden. Aber je stärker der Magen schon knurrt, umso schwerer ist die Jagd.“
„Ich mache kein Marketing!. Wozu auch? Viel lieber als um tausende Euro Anzeigen in Zeitungen zu kaufen rede ich mit Menschen. So wie du das in deinem Vortrag über dieses Web2.0 erklärt hast. [...] Ja, ich verstehe, dass Menschen sagen das koste viel Zeit. Aber wer sich diese Zeit nimmt wird schnell verstehen, dass sich die Investition lohnt. [...]
Vor einigen Jahren traf ich auf eine Gruppe Deutscher die der Festen Überzeugung waren, das Wandern sei nichts für sie. Kurzentschlossen fuhr ich nach Deutschland und lud sie zum Wandern durchs wunderschöne Saurland ein. Das ganze „Marketing“ (wenn du es so nennen willst) hat mich lächerliche 600 Euro gekostet – inklusive Essen und Getränken. Heute lieben sie das Wandern und kommen jedes Jahr zu mir – mit ihren Familien, Freunden und den Freunden ihrer Freunde. Die 600 Euro haben sich längst bezahlt gemacht.“
Hermann Grubauer ist ein bescheidener und authentischer Mensch – das hat ihn zur Marke gemacht. Grenzüberschreitend. Medien (auch Finanz- und Wirtschaftsmagazine) lieben ihn und zitieren ihn gerne – vor allem deutsche, denn leider trifft auch auf ihn das Sprichwort des Apostels im eigenen Land zu, und so manchem Werber aus der eigenen Heimat sind seine Worte ein Dorn im Ohr.
“Vergiss den Profit. Der kommt von selbst – aber nur wenn du dich wohlfühlst und im Einklang mit deiner Umgebung lebst. Es gibt kein Ich. Die Indios lehrten mich, dass nur das Wir die Wärme schafft, die man zum Leben braucht.”
Auch wenn Hermann sagt er mache kein Marketing – sein Handeln ist Marketing. Marketing in seiner edelsten Form und ohne großes Werbebudget. Marketing das auf Dialog basiert. Anstatt nur über sich selbst zu reden redet Hermann Grubauer mit Menschen. (Mühsames) 1:1 Marketing durch das Beziehungen, Mundpropaganda und Begeisterung entstehen.
“Die Herzlichkeit und Ehrlichkeit mit der man Menschen begegnet, kommt tausendfach zurück.”
Warum dieser Beitrag? Nicht nur weil es auch bei Web2.0 stets um Authentizität, Gespräche, Beziehungen, Mundpropaganda und Glaubwürdigkeit geht. Vor allem deshalb, weil vielen von uns Hermanns Verständnis von Marketing nicht mehr vertraut ist. Zu sehr haben wir uns an die jahrzehntelange Marktschreierei von Werbern und aufdringliches Push Marketing gewöhnt.

Ich bedauere sehr dass Hermann (noch) kein eigenes Blog betreibt und seine Erlebnisse, Erfahrungen und Einstellungen so auch mit Menschen teilt, die es nicht eben mal schnell auf einen Kaffee ins weit entfernte Lanersbach (Zillertal, Österreich) schaffen, aber vielleicht soll es so sein dass sie nur dort erzählt werden.
Das Gespräch mit Dir, lieber Nicht-Marketer Hermann Grubauer, hat gut getan. Sehr gut sogar. Vielen Dank dafür!
www.tuxertal.at | www.mittirolerherzblut.com
Dein Baby am Kinoplakat

Einfache aber nette Geschäftsidee: 5starbaby.com.
Storytelling auf der Glückwunschkarte zur Geburt. Das Neugeborene als oskar-reifer Kinostar - zumindest auf einem Plakat das an bekannte (oder individuell wählbare) Filme angelehnt ist. Die Eltern werden als Produzenten geführt, der Nachwuchs natürlich als Hauptdarsteller, der Arzt als Regisseur und das Krankenhaus natürlich als Drehort, fürs Catering war die Mutter zuständig und für den Soundtrack Waaaah! Records. Zu sehen gibts den Film “soon… daheim am Wohnort”.
Gefällt mir beinahe so gut wie die Idee des Geburtstagskalenders (siehe hier oder hier), einzig und allein die technische Umsetzung hätte mit Vorschaubildern für Standardvorlagen etwas interaktiver gestaltet werden können.
TheNerveTV: Crowdsourcing und Fernsehen

Ideen für neue TV Shows werden im stillen Kämmerchen geboren und für teures Geld an TV Produktionsfirmen verkauft. Heraus kommt häufig was niemand sehen will (und doch jeder sieht) - das war einmal: Crowdsourcing macht auch vor dem Fernsehen nicht halt.
Mark Bowness (Erfinder von Tribewanted, Idee siehe hier) sucht weltweit nach den besten Ideen für neue TV Shows. TheNerve (thenerve.tv) nennt sich das Projekt bei dem Mitglieder selbst entscheiden was produziert wird und ins Fernsehen kommt.
Weltweit jagen Mark und sein Team nach kreativen Menschen die DIE Idee zur nächsten großen TV Show haben. Aus tausenden Ideen wählt die Community die besten (?) 10 aus, für die anschließend 3minütige Kurztrailer gedreht werden. TheNerve verhandelt in weiterer Folge mit TV Anstalten in Großbritannien und Amerika und versucht zumindest eine selbst produzierte Show ins Programm zu bringen. 50% der Einnahmen gehen an den Ideengeber.
This crowd sourcing approach to creating TV programmes is completely new to the media world and a race has started to see which media industry will be the first to commission a programme from the public. (TheNerve)
TheNerve.TV produziert auch eigene Shows - für TV und Internet. Community Mitglieder zahlen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von umgerechnet ca. €75. Im Gegenzug finden nicht nur ihre Ideen Gehör, sie erhalten kostenlose online Trainings von Profis, Zugriff auf sämtliche Kontaktdatenbanken in die Medien- und Produzentenszene und gestalten das Programm von TheNerve.TV mit - egal ob als Entscheidugnsträger, Produzent, Schauspieler, Künstler, Designer, Moderator, Drehbuchautor o.ä.
Interessantes Experiment das aber noch in den Kinderschuhen steckt und (so zumindest mein Gefühl bei der Betrachtung der Internetseite) noch ein wenig Finetuning benötigt. Aber auch das bekommt Mark bestimmt noch hin, wetten?! Good luck!
Bei Carl Lens (Crowdsourcing Directory) gibt es ein Videointerview mit Mark Bowness.
Bild: TheNerve.TV
Gästebuch oder Blog?
Im Anschluss an einen Vortrag im Rahmen der Jahresklausur der Europa Wanderhotels führte ich eine längere Diskussion mit Hoteliers über die Unterschiede zwischen Gästebüchern und Blogs. Hier eine Zusammenfassung für jene die an der Diskussion nicht teilnehmen konnten.
Gedanken zu Gästebüchern
Gästebücher sind auf Hotelseiten ja nahezu Standard. Ebenso Standard sind aber auch die oft recht spärlichen, unsortierten und später kaum noch auffindbaren Einträge von Gästen. Fakt ist auch, dass sich nur die wenigsten Betreiber von Gästebüchern mit eigenen Einträgen beteiligen und schon gar nicht kommt ein Dialog mit Gästen auf. Auch haben Gäste kaum Anreize das Gästebuch später wiederzubesuchen - Kundenbindungseffekt Null.
Gästebücher stammen aus den Urzeiten des Internet und ich muss mir die Frage stellen, ob Besucher meines Webauftritts den zensierten Gästebuch-Einträgen tatsächlich noch Glauben schenken - immerhin leben wir in einer Zeit in der jeder von uns schon einmal Einträge in Bewertungsplattformen besucht hat. (Vgl. Hotelsterne waren gestern.)
Mehrwert(?) von Blogs
Offensichtlichster Unterschied zwischen Blog und Gästebuch: Im Gästebuch geben Gäste das Thema vor, bei einem Blog wechselt der Blogbetreiber von der passiven in eine aktive Rolle und gibt mit seinen Einträgen den Startschuss für die Richtung der Kommentare seiner Leser.
Ich als Autor bestimme das Diskussionsthema - häppchenweise und in regelmäßigen zeitlichen Abständen (nicht im Überfluss wie auf der Homepage, auf der sich kaum jemand die Zeit nimmt all meine Inhalte zu lesen).

Beispiel Beiträge DolceVita Hotelblog
Meine Gäste, Leser, Freunde fordere ich dazu auf ihre Meinungen abzugeben. In weiterer Folge kann ein Blog durchaus wieder eine Art Gästebuchcharakter entwickeln, allerdings mit echtem Dialogeffekt. Wichtig aber gleichzeitig zu erwähnen dass nur ganz wenige Blogs es schaffen, Einträgen lange Diskussionen folgen zu lassen (heißt aber keinesfalls dass die Leser an den Inhalten nicht interessiert sind!).
Blogleser entscheiden selbst ob das Lesen eines Blogs persönliche Relevanz hat oder nicht. Für Erfolg oder Misserfolg bin ich selbst verantwortlich. Bin ich als Touristiker nicht in der Lage Geschichten zu erzählen die meinen Gästen einen Mehrwert bieten, die sie gerne lesen oder sie gar begeistern, spare ich mir die (niedrigen) Kosten für die Einrichtung eines Blogs, und döse weiter als Gästebuch Wächter auf meiner Couch.
Praxisbeispiel einer anderen Branche: Steirerbluat

Ob jemand das klassische Gästebuch durch ein Blog ergänzen oder ganz ersetzen will oder nicht ist auch Geschmackssache. Schauen wir ein wenig über den Tellerrand und lernen aus anderen Branchen.
Bei der Konzeption der Internetstrategie der österreichischen “Alpenpop-Band” Steirerbluat haben wir diesen Schritt bewusst getan, und das Gästebuch durch ein Tourtagebuch (Blog) ersetzt. Warum?
- Weil Fans und Konzertbesucher so direkt jene Events kommentieren die sie gerade besucht haben, und
- das Blog mehr Ordnung in die einstigen Gästebucheinträge bringt.
- Zudem erleichtert es den Mitgliedern der Band einen strukturierteren Dialog mit Fans,
- bietet zahlreiche Möglichkeiten zu Interaktivität und Bindung (vgl. Voting Ötzi vs. Steirerbluat)
- ermöglicht die Einbindung von Videos und Tourfotos die im eigenen YouTube bzw. Flickr Channel abgelegt sind.
Interessant auch der Kulturwandel der sich in der Denke der Künstler vollzogen hat.
Früher waren Fotoapparate auf Konzerten ungern gesehen. Mittlerweile fordert Christian Hütter, Boss von Steirerbluat, die Fans per Blog sogar dazu auf Fotos von Konzerten ins Netz zu stellen, an Freunde weiterzuschicken, mit dem Namen der Band zu “taggen” und integriert die Fanfotos per Plugin direkt ins Blog.
Eine Öffnung und ein Feature an das sich selbst Fans erst noch gewöhnen müssen :-) [Vgl.: Fans gestalten Webauftritt mit]
Wie sieht es mit Kritik aus? War früher auf Konzerten die Stimme des Sängers einmal nicht so verträumt oder rockig wie gewohnt, häuften sich im Gästebuch Fragen dazu auf. Heute kündigen die Bandmitglieder das sogar im Vorfeld selbst an, weisen darauf hin dass trotz Grippewelle das Konzert stattfinden soll, ernten dafür von den Fans Genesungswünsche und anstatt Kritik aufgrund enttäuschter Erwartungshaltungen freuen sich die Fans dass die Veranstaltung trotz erschwerter Bedingungen überhaupt stattgefunden hat. Äußert sich tatsächlich mal ein Fan kritisch, so sind es andere Fans die zur Kritik Stellung nehmen - eine wesentlich glaubhaftere Vorgangsweise als Dementi aus der PR-Abteilung.
Suchmaschinen
Um den Kreis wieder in Richtung Hotel zu schließen: Hoteliers werden verständlicherweise immer sehr hellhörig wenn es um Suchmaschinen geht. Auch hier gibts große Unterschiede zwischen Blog und Gästebuch. Raten Sie selbst was sich wohl besser dafür eignet um seine Visibility bei Google zu erhöhen.
Vor einigen Wochen präsentierte DJ Ötzi seinen neuen Hit “I will leb’n” im deutschen Fernsehen - der Hit ist eine Cover Version von Steirerbluat. Zeitgleich mit dem TV Auftritt veröffentlicht Steirerbluat einen Blogeintrag in dem Fans von der Cover Version erfahren haben. Angenehmer Nebeneffekt: Bereits 70 Minuten stieß jeder der bei Google nach dem neuen Hit von DJ Ötzi suchte auf das Original von Steirerbluat - wochenlang sogar noch vor den wesentlich kapitalintensiveren PR-Kampagnen von DJ Ötzi. Ein Effekt der weder (oder nur kostenintensiv) mit einer klassischen Homepage und schon gar nicht mit einem Gästebuch erzielbar ist.
Gästebuch oder Blog?
Warum stellen wir die Frage überhaupt? Warum gibt es für manche Menschen immer nur “entweder oder”? Warum nicht “sowohl als auch”? Das Gästebuch ist das Stammbuch wie es jeder in Form von Freunde-Alben aus der Kindheit kennt. Blogs sind nicht nur Internettagebücher.
Blogs können - um in der Sprache von Touristikern und Gastronomen zu reden - Stammtische sein um die sich Freunde unabhängig von Zeit und Aufenthaltsort versammeln, sich Geschichten erzählen und Gespräche führen. Warum also entweder oder? Die beste Lösung besteht darin Synergien zwischen beiden zu nutzen. Ein Praxisbeispiel dazu folgt…
Linktipp:
Wen auch technische Unterschiede zwischen Foren, Blogs oder Chats interessieren, liest Erläuterungen dazu bitte in diesem Beitrag bei Robert Basic nach.
PS: Christian, ich gratuliere Euch zum erstmaligen Aufstieg in die Top 20 der österreichischen Charts! (Hoff ich hab damit nicht zuviel verraten :-)
Hotelsterne waren gestern
Holiday Check ein faschistoides System, diktatorisch geführt?! Aus der Sicht eines Hotels - ich kannt bis vor 3 Jahren Holiday Check nicht, bis jemand eine Beurteilung hineinschrieb und jemand anderer diese las und am Telefon meinte, so unfreundlich sind Sie ja nicht.
Mit diesem Zitat eines Hoteliers hat Markus Schauer in seinem Hotelgeschichten Blog eine Diskussion über Vor- und Nachteile von Holidaycheck gestartet an der sich inzwischen auch Axel Jockwer, Marketingleiter von Holidaycheck beteiligt. Durchaus lesenswert.
Zeigen wir vor allem mal einen großen Vorteil von Bewertungsplattformen auf: Früher habe auch mich gerne von den von Hoteliers so heißgeliebten Sternen ***** in die Irre führen lassen. Doch was sagen diese Sterne mir eigentlich?
Rein gar nichts, denn jeder weiß dass ein 4-Sterne Tempel im Zillertal tausend mal mehr bietet als ein 4-Sterne Altstadthotel in Klagenfurt, geschweige denn eines in Paris, Mailand oder Wiesbaden. Andere Länder andere Messkriterien und daher hab ich für mich persönlich Hotelsterne längst durch Gästebewertungen und Weiterempfehlungsraten ersetzt.
Bei dieser Gelegenheit noch ein Kompliment an die Marketer der Tourismusregion Kitzbühel: Trotz des Widerstands einiger Hoteliers haben sie direkt in der Infoliste aller Unterkünfte, Pensionen und Hotels Gästemeinungen, Urlaubsbilder und Reisebilder von Holidaycheck integriert. Als Gast erspart mir das Umwege auf externe Bewertungsseiten, die sich heute ohnehin beinahe jeder Urlauber ansieht (siehe Beitrag von gestern).
Hervorragender Ansatz (und erst der Beginn) auf dem Weg zur Webseite von Morgen, die ja bekanntlich von Unternehmen und Gästen gemeinsam geschrieben wird…








