Berg vorm Kopf, oder: Sich im Kreis Drehen als Lösung
Vielleicht verstehen dieses Beispiel einige deutsche Leser ganz und gar nicht, wer aber die geographische Struktur Österreichs kennt, kann es eventuell nachvollziehen.
Vor knapp einem Jahr nahm der Leiter eines Serviceunternehmens an einem meiner Workshops über Differenzierung teil. Zum Punkt Out-of-the-box-Denken, erzählte ich das Beispiel eines Unternehmens, das seit jeher seine Kunden auf Österreichs Ost-West-Achse sucht, jährlich tausende Leerkilometer zurücklegt und kaum Zeit für intensive Kundenbetreuung hat. Die Geschäftsausrichtung folgt zu starr auf Landkarten gezeichneten Ländergrenzen.

Karte: Google Maps (nur mal schnell zum Visualisieren nachgezeichnet)
“Meinem” Unternehmer schien das Beispiel “Wenn sich im Kreis drehen die Lösung ist” gefallen zu haben, denn letzte Woche schickte er mir ein Mail, in dem er mir von den Resultaten seines 6monatigen Experiments erzählt, in dem er nichts anderes gemacht hat, als die Entfernung zu seinen weitest entfernten Kunden durch 3 zu teilen, und mit einem Zirkel sein neues Zielgebiet nachzuzeichnen. Die Ergebnisse:
- Höhere Kundenzufriedenheit durch bessere Betreuung
- Senkung der Reisekosten und
- des damit verbundenen Administrationsaufwandes
- In Teilen der neuen Region sind höhere Preise durchsetzbar
- Deutliche Erhöhung der verfügbaren Zeit, die jetzt für Akquise und Kundenbetreuung genutzt wird
- Steigerung der Zufriedenheit von Mitarbeitern (häufiger zu Hause)
Dann noch ein Nachsatz: “Nur ein Mitarbeiter war unglücklich. Wohl deshalb, weil er jetzt öfters zu Hause sein musste ;-)”.
Die Lösung klingt (zu) einfach?
Ist sie auch! Aber wie viele Unternehmer kennst Du, die immer noch panische Angst vor Ländergrenzen haben, so als gäbe es dort Selbstschussanlagen und Menschen aus einer anderen Galaxie?
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4 Kommentare zu “Berg vorm Kopf, oder: Sich im Kreis Drehen als Lösung”
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27. Oktober 2007 um 17:05 |
Hannes, das ist ein sehr schönes Beispiel aus der Praxis. Ich verwendete bisher immer die 9 Punkte, die man mit einem Strich verbinden soll. Wir Menschen scheitern oft an den heimlichen oder unsichtbaren Grenzen. Heimlich, weil wir sie nicht sehen und auch gar nicht als Grenze wahrnehmen. Erst wenn uns jemand darauf aufmerksam macht, dass das eine Grenze ist, schauen wir auch dahinter - und finden oft neue und bessere Lösungen.
27. Oktober 2007 um 17:12 |
Danke, Jörg, ich mag das 9 Punkte Beispiel auch, aber verrat jetzt hier nur nicht die Lösung ;-)
28. Oktober 2007 um 11:24 |
Das klingt interessant. Fraglich ist jedoch, ob immer die Kunden auch die Bereitschaft mitbringen, einen “ausländischen” Dienstleister zu beauftragen. Oder ob doch - auch wenn es unsinnig sein mag - auf Regionalität Eert gelegt wird. Greift ein Münchner Unternehmen nicht lieber zu einem deutschen Anbieter, als dass es sich Richtung Österreich umsieht? Ich weiß es nicht abschließend, die Frage treibt mich aber schon länger um und ich bin interessiert ob weiterer Kommentare.
1. November 2007 um 09:49 |
[...] Blog von Pierre geworden. Andere Möglichkeiten, den Denkrahmen zu sprengen findet Ihr z.B. bei Hannes Treichl. Technorati Tags: [...]