User generated advertising Horror der Zillertal Werbung

Meine Affinität zu User Generated Content (UGC) Projekten ist hinlänglich bekannt. Vergangene Woche wies mich eine Studentin auf ein Mitmach-Projekt der Zillertal Tourismus hin. Bei näherer Betrachtung stellten sich mir allerdings schnell die Haare zu Berge.

zillertal-marketing-misslungen.jpg

Das Gewinnspiel ist ein halbherziger bis gänzlich misslungener Versuch einer kaum beachteten user generated content Kampagne der Zillertal Tourismus GmbH, die mittels YouTube versucht die Mitmachkultur für Marketingzwecke zu nutzen.

Wer sein Video so toll findet, dass es jeder sehen sollte, der sollte dieses schnellstens auf youtube stellen. Gesucht wird das Video, das die kalte Jahreszeit im Zillertal am besten darstellt. Die Videos müssen nur typisch winterliche Themen aufgreifen und im Zillertal gedreht worden sein. Die interessantesten Einsendungen werden regelmässig auf zillertal.at veröffentlicht. [...] Bis zum 6. 4. 2008 haben Sie Zeit, uns Ihre Videos zukommen zu lassen, danach kürt unsere Jury die beste Einsendung.(www.zillertal.at)

Die Einreichungen sollen auf YouTube geladen werden. Mit welchen Tags die Videos versehen werden sollen ist unklar. Auch gibt es keinen eigenen YouTube Channel oder ein Kampagnenblog das die Einreichungen konsolidiert, Kommentar- und Bewertungsmöglichkeiten (abgesehen von der YouTube Standardfunktion) sind ein Wunschtraum.

Eine Jury wählt die Gewinner die insgesamt lächerliche 1.000 Euro erhalten. Lasst Eure Gäste selbst entscheiden welches das beste Video ist und was veröffentlicht werden soll! Angenehmer Nebeneffekt dabei: Die TeilnehmerInnen werden versuchen viele Freunde zu aktivieren um für das eigene Video zu voten.

Auch bei den Teilnahmebedingungen treten die Zillertaler Werber gleich in noch ein Fettnäpfchen, für das andere bereits die Auszeichnung Ausbeutung erhalten hatten. Alle Teilnehmer treten mit ihrer Teilnahme alle Rechte an den Werbeverband ab.

Die Videos sämtlicher Teilnehmer können von der ZTG sowohl im Internet als auch auf andere Weise gesondert präsentiert werden, ein Anspruch der Teilnehmer darauf besteht jedoch nicht. Der Teilnehmer erklärt zu einer derartigen Präsentation seine ausdrückliche Zustimmung und räumt der ZTG alle hiefür erforderlichen Rechte räumlich und zeitlich unbeschränkt ein.

Die Aktion steht m.E. nicht für Web2.0 sondern verkorkstes Web Marketing 1.0. Auch “damals” musste man Formulare ausfüllen die an anonyme Empfänger gesendet werden und bei denen das “Ich bin der Zusendung Eures Werbematerials einverstanden” Häckchen bereits angeklickt war.

Einfach nur einen Wettbewerb auszuschreiben funktioniert am ehesten bei Unternehmen die bereits eine webaffine Community aufgebaut haben. Habe ich die nicht können neben Facebook, MySpace, etc. bestehende Communities als Multiplikatoren entscheidende Starthilfe geben.

Schade liebe Zillertal Vermarkter, das hätte man mit Unterstützung von Leuten die etwas von Web2.0 und den damit verbundenen Spielregeln verstehen um einiges effektiver und cooler (gings nicht darum?) gestalten können.

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11 Kommentare zu “User generated advertising Horror der Zillertal Werbung”

  1. Comment von christopher

    hätte wirklich viiiiel besser sein können.

  2. Comment von Herbert

    Stimme dir vollkommen zu; auch wenn solche “Marketingkampagnen” äusserst kostengünstig sind, bringen die halbherzigen Aktionen am Ende mehr Schaden als Nutzen.

    Und wenn der User dann auch noch die Rechte am eigenen Material abtreten darf … auweia; leider ist dies aber nicht die Ausnahme; sondern eher die Regel. Und dann wundert man sich, wenn die Aktion nach hinten los geht … Dringender Aufklärungsbedarf für die klugen Köpfe der Tourismuswerbung!

  3. Comment von schmid

    Sie sind ein bisschen streng mit Ihrem Kommentar! Die schlechteste Werbung ist immer noch besser als gar keine, und wenn sie wirklich schlecht, also richtig schlecht ist, redet und schreibt man umso mehr darüber. Und wo soll der Schaden denn sein - ich glaube kaum, dass jemand deshalb nicht ins Zillertal geht. Finde es sogar sympathisch, dass nicht alles perfekt durchdacht ist.

  4. Comment von Hannes Treichl

    Ich glaube nicht dass es darum ging vorzubeugen dass jemand nicht ins Zillertal geht sondern eine sympathische Kampagne zu generieren die Mundpropaganda erzeugt und Menschen motiviert Videos auf YouTube zu laden um unter dem Tag Zillertal, Winter oder Skiing besser gefunden zu werden -> Ziel (falls es dieses war) eindeutig verfehlt.

    @Herbert: Tja, manchmal scheint auch die beste Aufklärung nix zu nutzen. Auf der ENTER ‘08 wurde das Thema UGC und Contests wie der oben besagte zwar diskutiert und präsentiert aber … freu mich also umso mehr um ein Vorzeigeprojekt aus Südtirol :-)

  5. Pingback von Tourismusdinosaurier bei BarCamp « Tourismus & Freizeitideen für Menschen und Marken

    [...] des Camps las ich einen Beitrag von Hannes Treichl der in seinem Blog eine Marketingaktion vom Zillertal kritisch präsentiert. Sind die Werbeaktionen der Tourismusunternehmen und Destinationen also [...]

  6. Comment von Mia

    ja Werbung is es auf jeden Fall!

  7. Comment von KMTO

    Wunderbar analysiert. Es gibt auf Youtube 836 Beiträge mit Suchbegriff Zillertal, ein Channel wäre ein guter Start gewesen, die vorhandenen “Fans & Urlauber” zu aktivieren… Eigentlich hätte man den Text nur anders formulieren brauchen: Unter allen auf Youtube… Selber… Tag Zillertal… Ein Skiwochenende für die besten 10…

  8. Comment von Karin

    Na ja, sei nicht so streng, Hannes.

    Bei der Rechte-Bedingung geht es ja nicht um Exklusivitätsrechte, sondern darum, dass sie die Rechte für die Verwertung in ihrem Sinne bekommen. Das ist eine Absicherung, die für Tourismusverbände absolut notwendig ist. Weiß ich aus eigener Erfahrung bei Wien Tourismus, wo ich selbst erlebte, wie Fotografen Honorare einforderten. Manchmal werden sogar absurd hohe Summen verlangt.

    Natürlich hast du Recht bezüglich der nicht optimalen Vernetzung der Kampagne. Da besteht Handlungsbedarf.

    Als Ausbeutung würde ich die ausgelobte Summe auch nicht unbedingt bezeichnen. Es wird niemand gezwungen und es ist niemand ausgeliefert. Es besteht keine Notlage, aus der gehandelt werden muss.

  9. Pingback von Crowdsourcing ist was für den Kindergarten - sagt WOM-Experte Martin Oetting » VisualBlog - das VisualOrgasm-Weblog

    [...] nicht machen sollte. Hannes Treichl wies gerade mal wieder auf so eine amateurhaft betriebene Videoaktion der Zillertal-Werbung hin. Fairness ist ein ganz wichtiger Punkt (wie ich hier im Blog und in zahlreichen Intervies nicht [...]

  10. Comment von Michael Egger

    Hallo Hannes,

    Das Thema mit der Zillertal Werbung hat mich nicht in Ruhe gelassen.

    Was ich aber im Zuge meiner Recherchen gefunden habe schlägt dem Fass den Boden aus. Jetzt ist die Videokampagne voll nach hinten (im wahrsten Sinne des Wortes) losgegangen. Ich habe den Beitrage grade gepostet: http://www.tblog.at

    MfG
    Michael

  11. Comment von Hannes Treichl

    @Karin, ich bleib dennoch dabei, denn was UGC Projekte betrifft und wie man solche publikumswirksam und fair gleichzeitig aufziehen kann hab ich ja in genügend Beispielen hier im Blog aufgezählt (hätte jetzt auch schreiben können: Haben wir bei VOdA schon einige umgesetzt :-) … und sorry: aber dieses Projekt gehört für mich einfach in eine andere Schublade, nämlich nicht in jene eines professionellen, durchdachten und abgestimmten Gesamtkonzepts.

    Das wenige Geld das es gekostet haben dürfte war immer noch jeden Cent zu viel. Aber jetzt Schluss damit, Hauptaugenmerk dieses Blogs liegt bei Best Pracitces und Ideen nicht Worst Cases ;)

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