Wikipedias Ignoranten
Ich habe heute am Flughafen auf dem Weg nach Berlin eine Studentin getroffen, die mir - so wie vor ihr schon dutzende andere - ihr Herz über einen Professor ausgeschüttet hat, der Wikipedia und Blogs nicht für Zitierungen in schriftlichen Arbeiten akzeptiert. Ok, so sind eben die Regeln! Erst später sollt Ihr in Unternehmen wieder lernen, wie man mit Wikis umgeht, und sie als Wissens-Management-Systeme nutzt.

Aber: Kann mir jemand sagen, warum ich wöchentlich 5 Anfragen von Euren StudentInnen zu Interviews bekomme? Meine Antworten akzeptiert Ihr als Zitate. Das was in meinem (und anderen) Blogs steht nicht?! Vielleicht stimmt es, dass 10% in Wikipedia Mist sind - aber mindestens genauso viel (veralteter) Schrott steht in vielen Büchern.
Worum geht es? Ums Recherchieren und kritisch geprüfte Inhalte zu neuem Wissen zusammenzufügen, oder darum (t)Eure Publikationen zu kaufen? “Nein, es geht darum, dass das was heute in Wikipedia steht, nächsten Monat schon wieder ganz anders formuliert sein könnte.” - Hoffentlich sogar, nämlich aktueller!
“Blogs und Wikipedia dürfen in meinem Kurs nicht zitiert werden!” Ich veröffentliche mein Blog morgen über Books on Demand auf 1.000 Seiten Papier, und 5 Tage später dürfen Eure Studenten es als Quelle verwenden.
Versteh ich nicht.
Vielleicht erklärt es mir jemand?!
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kritik Marketing studie
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10 Kommentare zu “Wikipedias Ignoranten”
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2. November 2007 um 19:37 |
Ich denke das heisst übersetzt ungefähr soviel:
“Studenten, natürlich werdet Ihr in der freiwirtschaftlichen Praxis nicht mehr unser unnützes akademisches realitätsfremdes Zeuchs lesen, und schon gar nicht freiwillig. Da wir auf der Uni aber eine geschützte Werkstätte sind zitiert wenigstens unser eigenes Geschwafel solange wenn Ihr Eure Scheine haben wollt.”
Nur würde der Professor das so natürlich nicht sagen. Auch wenn er aufrichtig wäre…
2. November 2007 um 22:21 |
“Ich veröffentliche mein Blog morgen über Books on Demand auf 1.000 Seiten Papier” - Wiki + Blog wäre zudem die umweltschonendere Variante.
Ja, es besteht in nicht wenigen Bereichen eine riesige Hemmschwelle (teilweise auch Ignoranz), die Vorzüge von Blog- und Wiki-Techniken im Alltag zu nutzen.
2. November 2007 um 23:33 |
Bei uns an der FH wurden auch Online-Quellen akzeptiert. Warum auch nicht?!? Um eine möglichst differenzierte Sichtweise über bestimmte Themen zu erhalten, bietet es sich doch besonders an, online zu recherchieren. Diese Regeln sind doch Quatsch. Nur weil die Profs oft einfach zu faul sind, sich mit Quellen auseinander zu setzen, die sie nicht schon kennen…
Ich dachte, Hochschulen sind u.a. dazu da, junge Menschen zu selbständigem Denken zu erziehen. Dazu gehört m.E. auch das Bewerten unterschiedlicher Quellen…
Mir fällt dazu echt nur “Elfenbeinturm” ein. Das ist doch einfach nur praxis- und weltfremd.
3. November 2007 um 12:00 |
Gott sei Dank gibt es aber auch Positivbeispiele und längst nicht alle Professoren gehören zur Riege der beschreibenen “Wissenschaftsfaschisten” - ich durfte in meiner Diplomarbeit aus Wikipedia & Co zitieren bzw. darauf referenzieren.
Ich bin dabei sogar auf zwei ausgesprochen qualitativ hochwertige Wikis gestoßen, was sollte also dagegen sprechen, sich auf diese Inhalte zu beziehen?
3. November 2007 um 18:01 |
Hannes, der Widerstand gegen Veränderungen scheint riesengroß zu sein. Die Professoren haben natürlich auch ein Problem. Es ist noch gar nicht so lange her, da galten sie als die Hüter des Wissens. Wenn jetzt plötzlich ein Medium wie Wikipedia daherkommt, welches nicht (nur) von von Akademikern geschrieben wird, dann rümpfen die erst mal die Nase. Es hat mit der Angst zu tun, selbst bedeutungslos zu werden.
Wir sollten versuchen, möglichst alle Bevölkerungsschichten an dem Prozess der Wissensgenerierung und -verbreitung zu beteiligen. Die Professoren könnten ja bei Wikipedia mitwirken und für eine gute Qualität sorgen. Ich hoffe dann, dass die Texte auch noch lesbar und verständlich sind.
4. November 2007 um 17:30 |
Wer ein gutes Zitat bringt, gewinnt in der Diskussion die Oberhand. Professoren fühlen sich womöglich unterlegen, wenn sie nicht das ausschließen, was nicht zu ihrer Domäne gehört.
6. November 2007 um 11:56 |
Ich halte das für reine akademische Arroganz. Selbstverständlich gehören Fakten, welche man aus der Wikipedia übernimmt nochmals geprüft, aber das ist auch bei den meisten anderen Publikationen so. Zudem sind immer mehr Artikel der Wikipedia mit ordentlichen Quellen ausgestattet.
Über kurz oder lang wird auch die Wissenschaft nicht daran vorbeikommen und solange man unheimlich schwer als Student an viele andere Publikationen kommt, wird Wikipedia, welche ja eigentlich viel mehr als eine normale Enzyklopädie ist, auch als Quelle herhalten. Und wenn es nicht angegeben ist.
3. Februar 2008 um 10:37 |
Ich muss hier mal eine Lanze für die Professoren brechen, ohne selbst einer zu sein. Ich habe zwar selbst online-quellen für meine Diplomarbeit benutzt, was von den Professoren an meiner Uni auch begrüßt wird, bin aber selbst kein großer Fan davon. Das Hauptproblem ist meiner Meinung nach, dass Online-Seiten von einer Sekunde auf die andere einfach gelöscht werden können, ein Buch hingegen in den Bibliotheken sehr lange Zeit auffindbar ist und daher einen gewissen Vertrauensschutz bietet. Schreibt jemand in einem Buch einen Blödsinn, habe ich immer noch die Sicherheit, dies später nachweisen zu können. Bei Wikipedia weiß ich nicht, wer den Blödsinn von sich gibt und wie lange er im Netz steht und ob und wann er dann korrigiert wird (vielleicht sogar von jemand anderem. So gesehen ist es ein leichtes, irgend etwas in einer Diplomarbeit zu schreiben und dann zu behaupten, es wäre mal auf Wikipedia oder sonst wo im Netz gestanden. Seite abspeichern oder ausdrucken wäre natürlich eine Möglichkeit, aber soll Information, die vielleicht nur für eine Sekunde im Netz war, in einer wissenschaftlichen Arbeit wirklich zitierfähig sein? Zumindest sollte jedes Wort und jeder Satz, der auf Wikipedia geschrieben oder verändert wurde, mit dem namen des Autors versehen werden. Man darf nicht vergessen, dass wirklich JEDER zu jedem Thema etwas schreiben darf und der Text einen gewissen Anspruch auf Glaubwürdigkeit vermittelt, sonst hätte Wikipedia ja keinen Sinn. Man weiß einfach nie, ob ein Fachmann den Artikel geschrieben hat oder ei Laie. Und die Gefahr besteht ja nicht darin, dass der ganze Artikel falsch ist, sondern dass die einiges stimmt und einiges nicht. Und die Überprüfung durch die “Community” garantiert auch keine Qualität. Dann müßte diese zumindest aus einem Experten für jedes Thema bestehen.
17. Juli 2008 um 12:10 |
Die Sicherheit, dass der Anspruch und die Qualität bei Büchern höher ist, ist auch nicht gegeben. Wenn man Blogs von Profis auf ihrem jeweiligen Gebiet (die noch dazu oft Bücher veröffentlicht haben) nicht zitieren darf, dann ist das in bestimmten Bereichen für mich unverständlich. Zudem ist es bei Wikipedia möglich, genau die Version zu zitieren und zu verlinken, die man verwendet hat (vgl. Link “Zitierhilfe”). Professoren oder andere Personen können also demnach schon nachprüfen, was man ihnen als Quelle anbietet. Blogs sind in diesem Punkt weniger zuverlässig und schwerer zu zitieren. Und wer sagt, dass nicht jeder etwas zu einem Thema beitragen kann? Wer legt fest, wer Laie ist und wer nicht? Ich habe schon jede Menge Fachbücher gesehen, die ich niemandem empfehlen kann, während es durchaus Wikipediaartikel oder Blogeinträge gibt, die Wahrheiten so gezielt auf den Punkt bringen, dass ein Fachbuch das nicht besser könnte. Viele Studenten sind dann aber darauf angewiesen, weitere Quellen zu finden, die die angegebenen Thesen untermauen. Das ist auch gut so. Andererseits ist der Aufwand wohl kaum vertretbar, zusätzliche Quellen zu etwas zu besorgen, wenn Experten in ihren Blogs die Weisheiten aus ihren Büchern komprimiert wiedergeben. Ich glaube, dass man von Fall zu Fall unterscheiden muss, wer was wo gefunden und verwendet hat. Ein generelles Verbot von Wikipediaartikeln ist meines Erachtens nach nicht hilfreicht. Wieso sollte man sich Fachbücher zu einem Wort suchen, wenn man nur kurz das Thema anschneidet und erläutert, dass es sich um dies oder jenes handelt? Außer das Quellenverzeichnis mit wichtig klingenden Büchern zu verlängern, passiert da nicht viel. Zusätzlich hat man bei aktuellen Themen das Problem, dass es möglicherweise gar keine anderen Quellen als Nachrichtenseiten oder Blogs von Betroffenen gibt. Den Wahrheitsgehalt der Medien und Blogs nachzuprüfen ist schwer bis unmöglich. Die Nachricht oder den Artikel als Quelle anzugeben ist jedoch ohne Einschränkungen möglich. Zur wissenschaftlichen Arbeit gehört ja dann die notwendige Fähigkeit, sich mit den Informationen auseinander zu setzen und sie kritisch zu hinterfragen.
6. Oktober 2008 um 13:02 |
Ich glaube, dass ein generelles Zitierverbot für die Wikipedia nicht sinnvoll ist, allerdings lässt sich auch das Hauptargument der Gegner nicht abstreiten, dass die Autorenschaft der einzelnen Artikel nicht geklärt ist und im Einzelfall(!) auch dicke Fehler in einem Artikel sein können (ein Prof. hat uns mal welche gezeigt). Deshalb ist es zumindest für Studienanfänger sicherlich besser, wenn diese ihre Hausarbeiten mit Büchern (ja - die gibt es noch) schreiben und sich lediglich ihre Erstinformation in einem Wiki holen. Dies scheint auch an einigen Instituten gängige Praxis zu sein: Zitierfähigkeit der Wikipedia.